Brüssel. Das Europäische Parlament hat sich am Donnerstag mit großer Mehrheit für die Abschaffung von Zusatzkosten bei Handy-Telefonaten im Ausland ausgesprochen. Die Roaming-Gebühren in der Europäischen Union sollen nach dem Willen der Abgeordneten bis Ende 2015 wegfallen. Die Regierungen der 28 EU-Länder müssen allerdings zustimmen. Eine Entscheidung wird im Oktober erwartet. Der Vorlage zufolge dürfen Mobilfunkanbieter künftig Kunden aus anderen Mitgliedstaaten keine Extrakosten für Gespräche und SMS-Botschaften in ihren Netzen mehr berechnen. EU-Kommissarin Neelie Kroes lobte das Votum knapp zwei Monate vor der Europawahl als einen Sieg für die Verbraucher.

Für die europäische Telekomkonzerne, die mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen haben, wäre eine Abschaffung der Roaming-Gebühren ein schwerer Schlag. Auch bei einem Votum des EU-Parlaments für die sogenannte Netzneutralität sprachen Branchenvertreter von einem Schritt in die falsche Richtung.

Spielraum der Provider einschränken
Hier wollen die Abgeordneten den Spielraum von Dienstleistern und Providern einschränken, Anbietern von Inhalten wie Google gegen Gebühr schnellere Verbindungen zur Verfügung zu stellen. Die Parlamentarier wollen so eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Internet verhindern. Damit würde aber auch die Möglichkeit der Telekomkonzerne beschnitten, sich einen Teil der Gewinne von Video-und Musikdiensten im Internet zu sichern. Auch die amerikanische Aufsichtsbehörde FCC plant, für die USA neue Regeln für die Netzneutralität zu erlassen.

Der deutsche Verbraucherschutzminister Heiko Maas sagte, das EU-Parlament habe mit der Entscheidung zur Netzneutralität eine wichtige Weiche für die Zukunft des Internets gestellt. "Es darf nicht sein, dass sich in der digitalen Welt nur die behaupten, die die notwendigen finanziellen Mittel dazu haben." Auch das Votum für die Abschaffung der Roaming-Gebühren sei ein wichtiges Signal zur Stärkung der Verbraucher.