In Brasilien soll nun darüber nachgedacht werden, wer künftig die Internet-Verwaltung beaufsichtigt. "Wie stellt man sicher, dass die ICANN sich an ihre eigenen Regeln hält?" fragte die Wissenschaftlerin Jeanette Hofmann kürzlich bei einer Diskussionsrunde in Berlin. Mehrere Wege seien denkbar: Entweder die Organisation beaufsichtigt sich sozusagen selbst. Oder eine Gruppe anderer Organisationen übernimmt diesen Job, sagte Hofmann. Auch bei der ICANN stellt man sich auf einen langen Prozess ein. "Es ist kompliziert, so viele verschiedene Positionen zusammenzubringen", sagt der europäische ICANN-Vertreter Nigel Hickson.

Möglich ist auch, dass die versammelten Staaten, Unternehmen und Aktivisten keine inhaltlichen Vorgaben machen. Sie könnten sich lediglich auf einen Fahrplan für die nächsten Entscheidungen festlegen. "Das sind dicke Bretter, die wir bohren", sagte der Beauftragte für Cyber-Außenpolitik im Auswärtigen Amt, Dirk Brengelmann. Die Konferenz sei nur der Auftakt für eine weitergehende Debatte.

Wie es auf der "Net mundial"-Homepage heißt, nehmen zwölf Staaten an der Konferenz teil, darunter die USA, Deutschland und China. Mit schriftlichen Beiträgen haben sich jedoch zahlreiche weitere Staaten und NGO-Vertreter im Vorfeld der Konferenz an der Debatte beteiligt. Insgesamt langten 188 Beiträge aus 46 Staaten ein, darunter auch einer aus dem österreichischen Verkehrsministerium.

In dem Dokument bedankt sich Österreich bei Brasilien für die Organisation der Konferenz und spricht sich dafür aus, auf den zahlreichen das Internet betreffenden Dokumenten von UNO, UNO-Menschenrechtsrat, OECD und Europarat aufzubauen. "Das gemeinsame, offene, freie und globale Internet ist essenziell für jedermann", betont das Verkehrsministerium. Dabei müsse auf die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, Respekt für den Rechtsstaat und die Grundbedingungen der Cybersicherheit geachtet werden, "um das soziale und wirtschaftliche Potenzial des Internets für Innovation, Wachstum und die Entwicklung der menschlichen Potenziale in einer demokratischen Gesellschaft zu wahren".