London. Zwei Jahre sind es am Donnerstag, dass Julian Assange in seiner Zelle hinter dem Kaufhaus Harrods in London festsitzt. 730 Tage und Nächte hat der WikiLeaks-Gründer, wenn er diese Woche Bilanz zieht, in der winzigen ecuadorianischen Botschaft in der Themsestadt verbracht. Kein "Hofgang" ist ihm in dieser Zeit zuteil geworden - schon weil die Botschaft keinen Hof, keinen Garten hat. Keinen einzigen Schritt vors Haus hat er machen können. Träte er durch die Botschaftstür, oder suchte er über einen Balkon zu klettern, nähme ihn Scotland Yard mit Handschellen in Empfang. Zu diesem Zweck schieben mindestens drei Polizisten vor No. 3 Hans Crescent in London SW1X Wache. Das Botschafts-Appartment in dem edwardianischen Wohnblock ist rund um die Uhr umstellt. Über 10.000 Euro pro Tag verschlingen alles in allem die Sicherungs-Maßnahmen nach Polizeiangaben. Auf 7,5 Millionen Euro kommt die bisherige Rechnung.

Assange selbst hat sich für dieses Leben, als freiwilliger Gefangener mitten in London, entschieden. Am 19.Juni 2012 ist er in die Botschaft spaziert, um sich einem Haftbefehl zu entziehen, der zu seiner Auslieferung nach Schweden führen sollte. Dort möchte man den Australier gern verhören, seit ihm zwei Stockholmerinnen sexuelle Übergriffe und in einem Fall auch Vergewaltigung, vorgeworfen haben. Assange aber will partout nicht nach Schweden geflogen werden. Er ist überzeugt davon, dass ihn die schwedischen Behörden an die USA "weiterreichen" würden, wo man ihm - fürchtet er - immer noch seine WikiLeaks-Enthüllungen nachträgt. In den USA drohten ihrem Mandanten womöglich Folter und Todesstrafe, haben Assanges Anwälte in der Vergangenheit gewarnt. Also hat der WikiLeaks-Mann ecuadorianisches Asyl beantragt und erhalten. Nur lassen ihn die Briten nicht nach Ecuador abziehen.

Die Londoner Regierung akzeptiert, dass er in der ecuadorianischen Botschaft unantastbar ist. Sobald er aber die Botschaft verließe, zum Beispiel um sich irgendwo ärztlicher Behandlung zu unterziehen, würde man sich "den Flüchtigen" schnappen und ihn nach Stockholm bringen.

Im umgebauten Damen-WC

So haust der heute 42-Jährige in Knightsbridge wie ein halbvergessener Geist unter den Botschafts-Mitarbeitern. Viel Platz zum Geistern steht ihm allerdings nicht zu. Es wird erwartet, dass er sich hauptsächlich in seinem Zimmer aufhält. Mit der Außenwelt ist er über Fernsehen, Telefon und Essens-Lieferungen aus nahen Restaurants verbunden. Man hat die Damen-Toilette der Botschaft für Assange umgebaut und ihm gleich auch eine Dusche installieren lassen. Ein Bett, ein Bücherregal, ein rundes Tischlein mit Stühlen sowie eine Höhensonne, die ihm seine Mutter hat kommen lassen, füllen das Zimmer. Filmemacher Ken Loach hat ihm ein Laufgerät geschenkt, damit er "in Schuss" bleibt.