Zürich/Frankfurt. Für die Banken sieht es aus wie eine sanfte Woge am Horizont. Aber Matthias Kröner ist sich sicher: Technologieriesen wie Google und kleine Startups wie seine Internet-Bank Fidor werden Umwälzungen auslösen, die wie ein Tsunami über die Finanzbranche hereinbrechen. "Der geht zuerst als kleine Welle über das Meer", sagt der Fidor-Chef. "Aber wenn er auf Land trifft, dann wird es furchtbar."

Kröner zählt zu den Pionieren des Online-Bankings in Deutschland. Von 1993 bis 2002 hat er die Direktbank DAB aufgebaut, dann widmete er sich Fidor. Nach der Finanzkrise hätten die meisten Institute so getan, als wäre nichts passiert, sagt Kröner. "Bei uns reifte die Erkenntnis: Ein neues Banking muss her." Bei Fidor werden Kunden deshalb nicht in Filialen beraten, sondern diskutieren online über die beste Anlagestrategie. Außerdem leihen sie sich gegenseitig Geld ("Social Lending") oder finanzieren Projekte ("Crowdfunding"). Fidor-Kunden können mit ihrer Bankkarte ganz traditionell Geld am Automaten abheben. Sie können es aber auch an Email-Adressen oder Handy-Nummern verschicken - der Betrag wird dann auf dem Fidor-Konto des Empfängers gutgeschrieben.

"Ignorieren, schlecht reden, kopieren"
Die etablierten Banken reagierten auf neue Ideen immer gleich, hat Kröner beobachtet. "Ignorieren, schlecht reden, kopieren. Das war 1994 schon so, als wir die DAB Bank auf den Markt gebracht haben." Heute haben Online-Broker wie DAB, Comdirect und ING-DiBa in Deutschland Millionen von Kunden und setzen den alteingesessenen Geldhäusern schwer zu. Die Beratungsfirma Accenture schätzt, dass Banken bis 2020 weltweit mehr als 30 Prozent ihrer Erträge an neue Wettbewerber verlieren könnten.

Experten und Bankmanager zerbrechen sich deshalb den Kopf, wie die nächste Angriffswelle aussehen wird. Welche Geschäftsfelder attackieren branchenfremde Anbieter in den kommenden Jahren? Bieten sie künftig auch Kredite an oder bringen Unternehmen an die Börse? Und am wichtigsten: Müssen die etablierten Großbanken ihr Geschäftsmodell nur anpassen oder komplett auf den Kopf stellen?

"Wie die industrielle Revolution"
Gerade die letzte Frage wird in den Vorstandsetagen vieler Institute heiß diskutiert. Eine besonders radikale These vertritt dabei Theodor Weimer, der Chef der Münchner HypoVereinsbank. "Die digitale Revolution ist kein Trend mehr, sondern eine fundamentale Umwälzung", sagt er. "Wie wir im 19. Jahrhundert eine Veränderung durch die industrielle Revolution hatten, haben wir jetzt eine Veränderung durch die Digitalisierung." Da immer mehr Menschen ihre Bankgeschäfte im Internet erledigen, will Weimer in den nächsten Jahren die Hälfte der rund 600 HVB-Filialen schließen.