Viele der neuen Anbieter versuchen, sich zwischen Kunden und Bank zu schieben, beobachtet Ben Robinson, der Chefstratege der Bankensoftwarefirma Temenos. Für die Geldhäuser sei das brandgefährlich. Am verwundbarsten sind die Banken aus Sicht von Robinson in Geschäftsbereichen, in denen die Gewinnmargen hoch und die Auflagen der Aufsichtsbehörden vergleichsweise gering sind. "Dort sieht man die größten Umwälzungen." Das gelte beispielsweise für den Währungshandel im Internet oder kleinere Kredite, etwa für den Kauf eines Fernsehers.

Bisher ist das Geschäftsvolumen der Angreifer im Vergleich zu Großbanken noch verschwindend gering - die Beratungsfirma Bain & Company schätzt deren Marktanteil weltweit auf weniger als zwei Prozent. Das könne sich allerdings schlagartig ändern, wenn Internetgiganten wie Google oder Facebook massiv ins Bankengeschäft einsteigen. "Wir sprechen über Konzerne mit großen Muskeln und tiefen Taschen - da sollte man auf alles gefasst sein", sagt Urs Rüegsegger, der Chef des Schweizer Börsenbetreibers und Bankkartenanbieters SIX.

Google, Apple und Facebook wollen sich zu ihren Plänen in der Finanzbranche nicht äußern. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass die US-Giganten bald zum Angriff blasen. Apple hat das neueste iPhone laut Konzernchef Tim Cook auch deshalb mit einem Fingerprint-Sensor ausgestattet, weil das Unternehmen Interesse am Bezahlen über das Handy hat. Erste Erfahrungen mit Geldüberweisungen hat der Konzern bereits auf seiner Musikplattform iTunes gesammelt.

Banken fürchten die Datenkraken

Google hat in den USA schon vor einiger Zeit eine elektronische Geldbörse auf den Markt gebracht, das Google Wallet. Damit können Nutzer im Internet bezahlen und Geld senden und empfangen. Auch in Europa verfügt die Suchmaschine bereits über eine Banklizenz und könnte jederzeit loslegen. Da Googles Betriebssystem Android auf zahlreichen Smartphones läuft, hat das Unternehmen nach Einschätzung von Boston Consulting beste Voraussetzungen, um das Angebot in den nächsten Jahren auch in Deutschland und der Schweiz zu etablieren.

Facebook steht laut "Financial Times" ebenfalls kurz davor, eine Banklizenz in Irland zu erhalten. Damit dürfte das weltgrößte Online-Netzwerk in ganz Europa Bankgeschäfte anbieten. Millionen von Nutzern könnten dann beispielsweise Geld auf Facebook-Konten aufbewahren und es an andere Kunden überweisen. Angeheizt wurden die Spekulationen über eine bevorstehende Banking-Offensive kürzlich, als Facebook PayPal-Chef David Marcus verpflichtete.

Internetriesen wie Google und Facebook haben Millionen von Kunden und kennen deren Einkaufsverhalten genau. Ihren Nutzern könnten sie folglich maßgeschneiderte Finanzierungsangebote machen - und Geldhäusern damit im großen Stil Geschäft abnehmen. "Die Unternehmen könnten die Bankenwelt alleine schon mit ihren Daten verändern", betont Dirk Müller-Tronnier von der Beratungsfirma E&Y.