Nächstes Einfallstor: Konsumentenkredite
Bisher konzentrieren sich die meisten Internetkonzerne noch auf Angebote, mit denen ihre Nutzer online bezahlen oder Geld überweisen können - und verlängern damit quasi ihre Wertschöpfungskette. "Durch PayPal bindet Ebay die Kunden noch stärker an sich und vermeidet es, Provisionen an Banken zahlen zu müssen", erklärt Müller-Tronnier. "Ich gehe davon aus, dass sich Internetkonzerne auf absehbare Zeit auf Bereiche konzentrieren werden, die nahe an ihrem Kerngeschäft liegen."

Der E&Y-Experte und viele Banker gehen deshalb davon aus, dass die Angreifer als nächstes groß ins Geschäft mit Konsumentenkrediten einsteigen. Wenn jemand online einen Fernseher kauft oder eine Urlaubsreise bucht, könnten ihm die Internetunternehmen auch gleich das passende Darlehen anbieten. Konsumentenkredite sind relativ einfach strukturiert, und das Ausfallrisiko könnten die Konzerne dank ihrer Kundendaten relativ gut kalkulieren. Dass Google oder Facebook eine vollwertige Bank aufbauen und auch in komplexere Geschäfte wie Projektfinanzierung oder Investmentbanking einsteigen, hält Müller-Tronnier dagegen für unwahrscheinlich. Alleine der administrative Aufwand dafür wäre enorm, betont der Berater. Zudem schrecke die strenge Regulierung Internetfirmen ab.

Viele Banker, die sonst gerne über die Aufsichtsbehörden schimpfen, sehen das ähnlich. "Im Wettbewerb mit neuen bankfremden Anbietern ist die Regulatorik für uns ein Vorteil", sagt DZ-Bank -Vorstand Thomas Ullrich. "Wir kennen uns schließlich damit aus." Ullrich ist beim Spitzeninstitut der meisten Volks- und Raiffeisenbanken für IT-Projekte zuständig - und offen für Veränderungen. Er schätzt Querdenker und hat deshalb bereits mehrere Mitarbeiter von Internetkonzernen abgeworben. "Da prallen unterschiedliche Kulturen aufeinander." Neue Online-Anwendungen lässt Ullrich regelmäßig bei einzelnen Volksbanken testen. "Wenn so etwas zum Beispiel in der Lüneburger Heide funktioniert, können wir das später in der gesamten Gruppe übernehmen."

Ältere Menschen sind misstrauischer
Einen Abgesang auf das klassische Bankgeschäft will Ullrich aber trotz aller Online-Euphorie nicht anstimmen. Es gebe schließlich gute Gründe dafür, warum Google und PayPal trotz Banklizenz bisher kein klassisches Konto anbieten. "Die neuen Wettbewerber lassen auch deshalb die Finger vom Konto, weil sie sich sonst fragen müssen, was sie mit der Liquidität machen, die dann auf ihren Konten liegen würde", sagt der DZ-Bank-Vorstand. Dieses Geld müssten Google und PayPal irgendwo anlegen und dem Kunden eine Verzinsung gewähren - "das ist im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nicht einfach."

Ullrich ist zudem sicher, dass nicht alle Geschäfte ins Internet abwandern werden. Über wichtige Lebensentscheidungen wie eine Baufinanzierung oder die Altersvorsorge würden sich Menschen zwar verstärkt online informieren, diese dann aber nach wie vor in der Filiale abschließen. "Die Kunden vertrauen ihrer Bank in der Regel mehr als einem Internetunternehmen."