Berlin. Der wegen Spionageverdachts festgenommene Mitarbeiter des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) hat Medienberichten zufolge den US-Geheimdienst CIA mit Informationen versorgt. Er sei seit Ende 2012 von der CIA gesteuert worden, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Laut der "Bild am Sonntag" übermittelte er noch am 1. Juli geheime Dokumente zum NSA-Untersuchungsausschuss. Sein Motiv sei weniger finanzielle Bereicherung als Geltungssucht gewesen, schreibt die FAZ und beruft sich dabei auf BND-Angaben.

Der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag beschäftigt sich mit den Schnüffelmethoden des US-Geheimdienstes. Diese hatten nach den Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die NSA soll unter anderem das Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel überwacht haben.

Internetnutzer ausgespäht

Unterdessen berichtet die "Washington Post", dass die Spähaktivitäten der NSA auch zahlreiche gewöhnliche Internetnutzer, die mit den eigentlich anvisierten Zielpersonen nichts zu tun haben, betreffen. Das Blatt informiert über die Ergebnisse einer mehrmonatigen Auswertung elektronischer Daten, die Snowden zur Verfügung stellte.

Demnach waren neun von zehn von der NSA erfassten Internetnutzer "nicht die erwünschten Überwachungsziele, aber in einem Netz gefangen, das für jemand anderen ausgeworfen wurde". Die Zahlen basieren auf der Auswertung von rund 160.000 E-Mails und Kurznachrichten sowie Tausenden weiteren elektronischen Dokumenten, die während der ersten Amtszeit von US-Präsident Barack Obama von dem Geheimdienst gesammelt worden waren.

NSA bunkert "nutzlose" Informationen

Das NSA-Personal habe mehr als 65.000 erfasste Bezüge unkenntlich gemacht, um die Privatsphäre der Betroffenen zu schützen. Die Zeitung fand aber auch 900 E-Mail-Adressen, die nicht unkenntlich gemacht wurden und zu US-Bürgern führten. Auch habe die NSA Material gespeichert, das von Experten als "nutzlos" eingestuft wurde. Diese Dokumente enthielten dem Bericht zufolge private Informationen über Liebesgeschichten, unerlaubte Beziehungen, psychische Probleme oder finanzielle Sorgen.

Allerdings gab es laut "Post" auch Dokumente, die aufschlussreiche geheimdienstliche Erkenntnisse bereit hielten. So gab es Enthüllungen über ein geheimes Atomprojekt im Ausland, das doppelte Spiel eines vermeintlichen Verbündeten sowie die Identitäten von Hackern, die US-Netzwerke angriffen.

Alle rechtlichen Befugnisse

Am Dienstag hatte die "Post" berichtet, dass die NSA die Regierungen von 193 Ländern und mehrere internationale Organisationen ins Visier nehmen. Die Liste wurde im Jahr 2010 vom US-Geheimgericht Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC) genehmigt und verstärkt den Eindruck, dass die NSA auch vor mit den USA befreundeten Staaten nicht haltmacht. Zwar spähe der Geheimdienst nicht zwingend alle genannten Staaten aus, merkte die "Washington Post" an. Die NSA habe dafür aber auf jeden Fall die nötigen rechtlichen Befugnisse.

Snowden hatte im vergangenen Jahr mit seinen Enthüllungen die Affäre um die weltweiten Spähaktionen der US-Dienste ins Rollen gebracht. Er hat auf seiner Flucht vor der US-Justiz Asyl in Russland erhalten.