Wien/Berlin. Die US-Spionageaffären nehmen immer größere Dimensionen an. Der grüne Parlamentsabgeordnete Peter Pilz erklärte gegenüber der "Wiener Zeitung", Beweise dafür zu haben, dass internationale Organisationen in Wien - wie die Atomenergiebehörde (IAEO) - Opfer systematischer Überwachung durch den US-Geheimdienst sind. Gleichzeitig ist nun ein zweiter Spionagefall in Deutschland bekannt geworden. Dabei soll es sich um einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums handeln, der angeblich für den amerikanischen Geheimdienst in Deutschland spioniert hat.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte den Vorfall. Derzeit würden Beamte des Bundeskriminalamtes die Wohn- und Büroräume des Mannes im Großraum Berlin durchsuchen und wegen des Anfangsverdachts geheimdienstlicher Tätigkeit gegen ihn ermitteln. Verhaftet wurde der Mann bisher noch nicht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass auch im Ministerium selbst ermittelt wird. Zum konkreten Inhalt der Untersuchung könne er aber noch nichts sagen.

Nach derzeitiger Informationslage besteht zwischen dem neuen Fall und dem vorangegangen Auffliegen eines CIA-Spions beim Bundesnachrichtendienst (BND) kein direkter Zusammenhang. Dem BND-Doppelagenten wird angelastet, innerhalb von zwei Jahren 218 Dokumente für 25.000 Euro an US-Geheimdienste verkauft zu haben. Experten bewerten die derzeitigen Ereignisse als noch "ernster" als die BND-Affäre.

Mittlerweile schalteten sich auch hochrangige US-Geheimdienstler und Diplomaten in die Spionageaffäre ein: Laut Angaben von "Spiegel Online" soll CIA-Chef John Brennan am Mittwoch mit dem Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Klaus-Peter Fritsche telefoniert haben. Über den Inhalt des Gespräches hielten sich beide Seiten allerdings noch bedeckt. Unterdessen kam US-Botschafter John B. Emerson erneut zu einem Gespräch ins deutsche Außenministerium. Dabei sei Emerson darauf hingewiesen worden, dass die Zusammenarbeit mit der US-Regierung bei der Aufklärung der Spionagevorwürfe sehr wichtig sei, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die USA zu Konsequenzen aus der Spionageaffäre aufgefordert. "Die USA müssen wieder mit uns eine gemeinsame Sicht darauf entwickeln, wie wir in Zukunft unsere Zusammenarbeit gestalten wollen", sagte die CDU-Politikerin der "Berliner Zeitung".