Berlin. Daten sind die Währung der digitalen Welt: Einige Unternehmen wollen möglichst viel davon sammeln, einige NutzerInnen möglichst wenig davon preisgeben. Eine neue, besonders hartnäckige Technik zur Nachverfolgung der AnwenderInnen im Netz sorgt nun für Aufsehen. Auf tausenden beliebten Webseiten findet sich die Technologie namens "Canvas Fingerprinting", wie ForscherInnen aus Belgien und den USA feststellten.

So werden die Klicks der NutzerInnen beobachtet und ausgewertet, damit ihnen passgenaue Werbung angezeigt werden kann. Das funktioniert selbst dann, wenn Nutzer herkömmliche Nachverfolgung, genannt "Tracking", durch Cookies löschen oder verbieten.


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Kaum zu unterbinden
Die "Canvas Fingerprinting"-Technik können NutzerInnen kaum unterbinden, kritisierten die ForscherInnen um Gunes Acar von der Universität Leuven in Belgien. "Das legt nahe, dass selbst bewanderte Nutzer vor großen Schwierigkeiten stehen, wenn sie Tracking-Techniken ausweichen wollen", schrieben die WissenschafterInnen.

Die ForscherInnen hatten die Technik bei ihrer Untersuchung auf mehr als 5.000 Websites entdeckt. Auf hunderten Pornoseiten, auf Webseiten der US-Regierung und auf deutschsprachigen Nachrichtenportalen wurden demnach die digitalen Fingerabdrücke gesammelt.

Werbevermarkter im Visier

Einige Website-BetreiberInnen reagierten sofort. Nachdem die US-Seite "ProPublica" von den Forschungsergebnissen berichtet hatte, entfernten sie die Technologie aus ihren Auftritten. Das IT-Nachrichtenportal Golem schrieb: "Wir haben umgehend dafür gesorgt, dass die Technik bei Golem.de nicht mehr eingesetzt wird." Golem habe nicht gewusst, dass die Technik auf ihrer Webseite lief. Eingesetzt hatte sie ein Dienst zur Werbevermarktung.

Der Fall offenbart ein Dilemma: Die Werbebranche will NutzerInnen möglichst präzise folgen können, um Anzeigen an Mann und Frau zu bringen. Von diesen Werbegeldern leben viele Websites. Doch einigen Internetnutzern ist nicht wohl bei der Vorstellung, dass im Hintergrund Informationen über ihren Computer und ihr Surfverhalten gesammelt werden. Sie blockieren "Cookies", die kleinen Dateien von Werbenetzwerken und Websites, die die Nutzer wiedererkennen. "Deswegen überlegt die Werbebranche, was sie für Alternativen entwickeln kann", sagt der Software-Entwickler Henning Tillmann, der für seine Diplomarbeit neue Tracking-Mechanismen untersucht hat.