Moskau. Die Entscheidung über den Verbleib von Edward Snowden in Russland steht dem Anwalt des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters zufolge unmittelbar bevor. "Diese Frage wird sehr bald beantwortet", sagte der Jurist Anatoli Kutscherena am Donnerstag in Moskau. Snowdens Aufenthaltserlaubnis läuft an diesem Donnerstag formell aus.

Widersprüchliche Darstellungen gab es über die von Snowden eingereichten Dokumente. Moskauer Medien zufolge soll der 31-Jährige nun erstmals politisches Asyl beantragt haben. Über diese Frage müsste dann Kremlchef Wladimir Putin persönlich entscheiden. Dies wäre neuer Konfliktstoff im angespannten russisch-amerikanischen Verhältnis. Die USA fordern Snowdens Auslieferung wegen Geheimnisverrats.

Snowden hält sich bisher unter den Bedingungen eines sogenannten vorläufigen Asyls in Russland auf, über das die Migrationsbehörde des Landes entscheidet. Die Behörde wollte weder bestätigen noch dementieren, dass Snowden nun politisches Asyl beantragt hat. Die Verlängerung seiner in diesen Tagen auslaufenden Aufenthaltserlaubnis hatte der IT-Experte vor einiger Zeit beantragt.

"Edward befindet sich noch immer in Russland", sagte Kutscherena. Snowden hatte die Überwachungspraktiken des US-Geheimdiensts NSA enthüllt und lebt seit Juni 2013 an einem geheimen Ort in Moskau. Russland lehnt seine Abschiebung ab. Im Streit um Snowden hatte US-Präsident Barack Obama 2013 ein Treffen mit Putin abgesagt.

Opposition will Snowden in Deutschland
Die deutsche Opposition will Edward Snowden nach Deutschland holen. Mit Blick auf das ablaufende Asyl des Ex-NSA-Mitarbeiters in Russland forderte sie die Regierung auf, den Amerikaner nach Deutschland zu holen.

"Es ist eine Schande für die westlichen Demokratien, dass sich Edward Snowden noch immer im autoritär regierten Russland verstecken muss und vom Gutdünken Putins abhängig ist", erklärten die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und der Obmann der Partei im NSA-Untersuchungsausschuss, Konstantin von Notz, am Donnerstag in Berlin.

Auch die Partei Die Linke fordert eine Aufnahme des Whistleblowers. Die Opposition will notfalls durch eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht durchsetzen, dass der Amerikaner für eine Aussage vor dem NSA-Ausschuss nach Deutschland kommen kann.

Snowden hatte vor gut einem Jahr in großem Stil vertrauliche Dokumente über die Datenausspähung der National Security Agency (NSA) und anderer Geheimdienste an die Öffentlichkeit gebracht. Die USA suchen ihn per Haftbefehl. Seit dem 1. August 2013 hat der heute 31-Jährige Asyl in Russland - begrenzt auf ein Jahr. Das heißt, die Aufenthaltserlaubnis läuft an diesem Donnerstag formell aus.