Russlands Einwanderungsbehörde hatte bereits vage eine Verlängerung in Aussicht gestellt. Eine offizielle Verkündung von russischer Seite dazu steht aber noch aus.

Die bekannte Moskauer Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina sagte, sie gehe davon aus, dass Snowden die Verlängerung bereits erhalten habe. "In den vergangenen zwölf Monaten ist nichts geschehen, was die russischen Behörden dazu bringen könnte, seinen Antrag abzulehnen", sagte sie der Agentur Interfax zufolge.

Die deutsche Opposition bemüht sich seit Monaten, Snowden für eine Aussage vor dem NSA-Ausschuss nach Deutschland zu holen. Die deutsche Bundesregierung hat eine Vernehmung in Deutschland bisher aber immer abgelehnt und dies mit einem angeblich drohenden Schaden für das deutsch-amerikanische Verhältnis begründet. Eine Aussage auf russischem Boden wiederum lehnt Snowden ab.

Linke und Grüne haben der deutschen Regierungskoalition inzwischen ein letztes Ultimatum gestellt: Wenn diese nicht spätestens in der ersten Ausschusssitzung nach der Sommerpause von ihrer Haltung abrücken, will die Opposition vor das Verfassungsgericht ziehen.

Der Vorsitzende des NSA-Ausschusses, Patrick Sensburg, sagte dem RBB-Inforadio, Snowden sei ein wichtiger Zeuge, aber es gebe noch andere wichtige Gesprächspartner für das Gremium.

Deutsche Pressestimmen

Zu Ablauf des einjährigen Asyls in Russland für den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden schreiben Zeitungen am Freitag:

Auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" würdigt den seit einem Jahr im russischen Asyl lebenden Informanten Edward Snowden:

"Snowdens 'Ich' ist kein selbstbezogenes, sondern eines, das Millionen Menschen mit einschließt. Sein Heldentum erwächst daraus, dass er zum Wohl vieler anderer etwas getan hat, was für ihn absehbar mit den individuell größtmöglichen Kosten verbunden war. Es ist eine höchst ungewöhnliche Haltung in einer durchrationalisierten, auf Eigennutz bedachten Welt. Das Handlungsmuster der Bundesregierung unterschied sich von Anfang an grundlegend von dem Snowdens. Kanzlerin Angela Merkel wirkte im Wahlkampf genervt von dessen Enthüllungen. Als wollte sie in Wirklichkeit sagen: Hätte er doch bloß alles für sich behalten."

"Berliner Zeitung":

"Die Bedeutung der Whistleblower für das Funktionieren der Demokratien steht zumindest in Europa außer Frage. Wenn das so ist, dann muss es für jede europäische Regierung, erst recht für die Bundesregierung unerträglich sein, dass der erfolgreichste und bedeutendste Whistleblower der Geschichte, dass der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden seit einem Jahr auf der Flucht vor der US-amerikanischen Strafgerichtsbarkeit Asyl in Moskau findet, weil er dem Rechtsstaat USA nicht mehr traut und die Europäer ihm keinen Einlass gewähren."