Berlin. Der mögliche Zugriff amerikanischer und britischer Geheimdienste auf das Netz der Deutschen Telekom wird auch den NSA-Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages beschäftigen. Wenn die Berichte Substanz hätten, müssten die Verantwortlichen vor das Gremium geladen werden, und zwar nicht nur die von der Telekom, sondern von allen deutschen Netzbetreibern, sagte SPD-Obmann Christian Flisek am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Schon in einer der nächsten Sitzungen könne ein entsprechender Antrag verabschiedet werden. Dabei sollten die jeweiligen Leitungsebenen vom Jahr 2001 an vor den Ausschuss geladen werden.

Flisek unterstrich, bei der Anzapfung deutscher Netze handele es sich nicht um eine Lappalie, sondern um schwerste Grundrechtsverletzungen. "Entweder hat hier jemand wissentlich kollaboriert, die Augen verschlossen oder nicht die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um so etwas zu verhindern."

Vorgänge nicht nachweisbar
Der Vorsitzende des NSA-Ausschusses, Patrick Sensburg, sagte Reuters, natürlich würden die Unternehmen gehört, wenn es um deren Forderungen für mehr Sicherheit gehe. Die Berichte über einen angeblichen Zugriff auf deutsche Netze sei aber nicht neu. Das Problem sei, dass solche Vorgänge bislang nicht nachweisbar seien. Sowohl die Telekom als auch Netcologne hätten betont, davon keine Kenntnis zu haben. Die Unternehmen müssten daher zunächst selbst nachforschen und Informationen liefern. Er gehe davon aus, dass sie daran ein hohes Interesse hätten, sagte der CDU-Politiker.

Die NSA und der britische Geheimdienst GCHQ können einem "Spiegel"-Bericht zufolge womöglich über verdeckte Zugänge direkt auf die Netze der Telekom sowie des Kölner Internetanbieters Netcologne zugreifen. Das Magazin beruft sich auf streng geheime Grafiken eines NSA-Programms mit dem Namen "Treasury Map" (Schatzkarte). Dieses verfolge das Ziel, das komplette Internet zu kartografieren und "jedes Gerät, überall, jederzeit" sichtbar zu machen, heißt es laut "Spiegel" in der Präsentation.

Die Telekom hatte am Wochenende erklärt, der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf ihr Netz wäre völlig inakzeptabel. Bisher hätten Prüfungen aber keine Anhaltspunkte dafür ergeben.

Netcologne findet keine Hinweise auf NSA-Zugriff
Der Kölner Internetanbieter Netcologne hat keine Belege dafür gefunden, dass der US-Geheimdienst NSA die Netze der Firma angezapft hat. "NetCologne ist den Hinweisen bereits vor einiger Zeit mit aller Gewissenhaftigkeit nachgegangen und hat keinerlei Nachweis für eine Sicherheitsverletzung gefunden", erklärte das Unternehmen am Montag.

Der "Spiegel" hatte berichtet, dass amerikanische und britische Geheimdienste innerhalb deutscher Telekommunikationsnetze verdeckte Zugänge haben, die ihnen eine direkte Überwachung ermöglichen. Betroffen seien Netcologne, die Deutsche Telekom und die Satelliten-Kommunikationsanbieter Stellar, Cetel und IABG. Der "Spiegel" beruft sich auf Unterlagen des US-Geheimdienstenthüllers Edward Snowden.

Die Informationen, die Netcologne vom "Spiegel" erhalten habe, deuteten auf einen Einzelfall hin, erklärte das Unternehmen. Man habe sowohl den Einzelfall wie auch das gesamte Netz überprüft und "keinerlei Sicherheitsverletzungen im eigenen Netz gefunden". Man stehe "vorsorglich" in Kontakt zu Sicherheitsbehörden.