Berlin. Die Internetseiten der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des Bundestags in Berlin sind am Mittwoch offensichtlich durch einen Hackerangriff zeitweilig lahmgelegt worden. Zu der Attacke bekannte sich eine ukrainische Hackergruppe mit Namen CyberBerkut. Sie begründete dies mit dem Besuch des ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk am Mittwoch in Berlin.

Dieser wolle neue Gelder, um damit den Konflikt in der Ost-Ukraine fortzusetzen. Deutschland dürfe keine politische und finanzielle Unterstützung leisten für ein "kriminelles Regime in Kiew", das einen blutigen Bürgerkrieg entfesselt habe, erklärte die Gruppe. Das Bundespresseamt und das Parlament teilten mit, man prüfe die Vorfälle.

Die prorussische Organisation "CyberBerkut"

Die prorussische Cyber-Organisation "CyberBerkut" ist bereits häufiger mit politisch motivierten Netz-Attacken öffentlich in Erscheinung getreten. Auch Internet-Seiten der NATO waren schon Ziel der Angriffe. Auf ihrer Website veröffentlichte die Gruppe zuletzt im November allem Anschein nach geheime Dokumente über eine militärische Unterstützung der Ukraine durch die USA.

  Nach eigenen Angaben war es der Gruppe gelungen, sie während eines Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden in Kiew zu hacken. Die Attacke gegen die Seiten der deutschen Bundeskanzlerin und des Bundestags am Mittwoch versteht die Gruppe nach eigener Aussage als konkrete politische Aktion. Die Organisation befürchtet nach eigenem Bekunden, dass der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk bei seinem Besuch in Berlin um finanzielle Unterstützung wirbt.

  Über die Organisationsstruktur der Gruppe ist nicht viel bekannt, ihre Mitglieder agieren weitgehend anonym. Ihr Name erinnert an die inzwischen aufgelöste ukrainische Sonderpolizei Berkut (Steinadler).

  Gegründet vor allem zur Verbrechensbekämpfung, traten die Einheiten auch bei Demonstrationen als Sicherheitskräfte in Erscheinung. Zuletzt setzte die Machtführung des inzwischen abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch die Truppe gegen die proeuropäischen Regierungsgegner auf dem Maidan in Kiew ein.