Wien. "Es wird dort gehackt, wo es auch etwas zu holen gibt", sagt die zuständige Staatssekretärin für Informationstechnologie und E-Government, Sonja Steßl, im Rahmen des 9. europäischen Datenschutztags am Mittwoch. Die diesjährige Veranstaltung im Bundeskanzleramt setzt einen Schwerpunkt auf Datenschutz in Unternehmen. Grund dafür ist die rasante Zunahme von wirtschaftlich motivierten Hackangriffen.

"Wirtschaftsspionage nimmt weiter zu und wird oft unterschätzt", sagt Steßl. Der Diebstahl von sensiblen Unternehmensdaten über das Internet ist längst Tatsache und wird sich in den kommenden Jahren immer weiter ausbereiten. Der jüngst veröffentlichte Internet-Sicherheitsbericht von Cert.at, dem nationalen Sicherheits-Response-Team, zeigt, dass in den vergangenen zwei Jahren jedes vierte heimische Unternehmen Opfer von Cyber-Angriffen wurde. Der dadurch verursachte wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf durchschnittlich 200.000 Euro. Ein extremes Beispiel ist die Deutsche Telekom. Die muss eine Million Hackangriffe, die es auf Kunden- und Firmendaten abgesehen haben, abwehren - täglich.

Im vergangenen Jahr wurde weltweit ein Schaden von mindestens 113 Milliarden US-Dollar durch Hack-Angriffe auf Unternehmen verursacht, rechnet der Norton Report vor. "Besonders interessant sind da Industriebetriebe und die sogenannte kritische Infrastruktur", erklärt Steßl, weil dort wirtschaftlich sensible, komplexe Daten liegen. Allerdings unterschätzen viele Betriebe weiterhin die Gefahr aus dem Netz. Cert.at stuft nur 6,1 Prozent der heimischen Unternehmen als "sehr sicher" ein. 9,3 Prozent gelten als "wenig sicher", die restlichen zwei Drittel als mittelmäßig sicher.

Sicherheit als Prozess

"Sicherheit ist kein Produkt, sie ist ein Prozess. Es kommen neue Bedrohungsszenarien auf uns zu, die wir bisher nicht hatten", sagt Jochen Borenich, Betriebsvorstand des IT-Unternehmens Kapsch BusinessCom. Anfang des Vorjahres hatte das Unternehmen selbst mit einem Cyberangriff rund um die gehackten Bifie-Daten zur Zentralmatura des Bildungsministeriums zu kämpfen.

Der Konzern wendet eigenen Angaben zufolge zehn Prozent des Umsatzes - dieser belief sich zuletzt auf eine Milliarde Euro - für Forschung und Entwicklung auf. Ein großer Teil dessen wird für Internet- und Datensicherheit verwendet. Dies sei vor allem im Bereich der Industrie 4.0, also der vernetzten, kommunizierenden Maschinen wichtig. "Mit einem Mausklick könnten die Maschinen von überall auf der Welt außer Gefecht gesetzt werden", sagt Borenich.