Berlin. Am Welttag gegen Internetzensur hat die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) neun zensierte Nachrichten-Seiten in elf Ländern entsperrt. Zugänglich gemacht wurden Webseiten unter anderem in China, Russland, Saudi-Arabien, Iran und Bahrain, wie die Organisation am Donnerstag mitteilte.

"Mit dieser Aktion hebt Reporter ohne Grenzen in einigen der am schärfsten kontrollierten Länder weltweit die gezielte Zensur von Webseiten wieder auf und macht blockierte Informationen verfügbar", erklärte ROG-Vorstandsmitglied Matthias Spielkamp.

Um die zensierten Seiten zugänglich zu machen, spiegelte ROG die Webseiten und machte sie in der Cloud großer Server wie Amazon, Google und Microsoft zugänglich. Laut ROG können diese Seiten jetzt nur noch gesperrt werden, wenn die gesamte Cloud blockiert wird. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die betroffenen Regierungen so weit gehen, denn sonst würden zugleich tausende anderer Webseiten gesperrt, hob ROG mit Blick auf wirtschaftliche und politische Folgekosten hervor.

Für die Aktion "Grenzenloses Internet" wählte die Journalistenorganisation unter anderem das unabhängige Nachrichtenportal Grani.ru in Russland aus. Es war im März 2014 im Zuge des Ukraine-Konflikts gesperrt worden. In Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan wurde das Nachrichtenportal "Fergana News", das bewusst unparteiisch über die von Konflikten geprägte Region berichtet, entsperrt. In China wurde unter anderem die seit 2008 gesperrte Seite von "Tibet Post International" wieder zugänglich gemacht, die über die Lage der Tibeter berichtet.

Reporter ohne Grenzen kopierte die Seiten und stellt sie über die Speicherdienste großer Internet-Anbieter zur Verfügung. So will die Organisation verhindern, dass die gespiegelte Variante der Webseiten gleich wieder von Zensoren vom Netz genommen wird. Da die Seiten mit https-Verschlüsselung angezeigt werden, soll auch eine Blockierung einzelner Schlagwörter verhindert werden. Die Journalistenvereinigung will mit der Aktion am Welttag gegen Internetzensur am Donnerstag ein Zeichen für Meinungsfreiheit setzen.

Die große Herausforderung

Reporter ohne Grenzen habe Websites ausgesucht, die der Organisation seit langem bekannt sind, sagte ROG-Vorstandsmitglied Matthias Spielkamp. "Das sind relevante Seiten, denen wir auch vertrauen." Man habe mit den Betreibern der Websites gesprochen, die am Donnerstag Hinweise auf die neuen Internet-Adressen verbreiten wollen. So sollen Nutzer sie wiederfinden. "Das ist die größte Herausforderung bei der Aktion", sagte Spielkamp.

Zu den ausgewählten Websites zählt das unabhängige russische Nachrichtenportal "Grani.ru". Auch die "Tibet Post International", die von Indien aus über die soziale und politische Situation der Tibeter berichtet, soll zugänglich gemacht werden. Die Website "Ferghana News" berichte über Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan und sei in mehreren Ländern Zentralasiens blockiert. Auch eine vietnamesische sowie kubanische und iranische Websites sind dabei.