Berlin.Trotz der weiter andauernden Cyberattacke auf den Deutschen Bundestag rechnet die christdemokratische Fraktion nicht damit, dass die komplette Computerausrüstung des Parlaments ausgetauscht werden muss. "Es geht im Wesentlichen um Software", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Bernhard Kaster, am Donnerstag in Berlin.

Man müsse zwar "davon ausgehen, dass auch Systeme mindestens in Teilen neu aufgesetzt werden müssen. Das darf aber nicht verwechselt werden mit einem kompletten Austausch der Hardware."

Datenabfluss und Netzumbau

NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten berichtet, das Parlament müsse sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse. Einem Bericht von "Spiegel Online" zufolge fließen noch immer Daten in unbekannter Richtung ab.

"Es handelt sich um den bisher größten Cyberangriff auf den Bund, auf das deutsche Parlament", sagte Kaster. In welchem Umfang Software ausgewechselt werden müsse, sei noch offen.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Steffi Lemke, sagte, sie gehe "davon aus, dass im Bundestagsnetz keine absolute Sicherheit gewährleistbar ist". Jeder Abgeordnete müsse sein Kommunikationsverhalten darauf ausrichten.

Der Ältestenrat des Parlaments wollte sich am Nachmittag mit den Folgen der seit Anfang Mai andauernden Cyberattacke befassen. Bei der Sitzung soll es auch um die Frage gehen, ob das Bundesamt für Verfassungsschutz als für Spionageabwehr zuständige Behörde intensiver als bisher in die Ermittlungen eingebunden wird.

Hinweise auf russischen Hintergrund

Die Hinweise auf einen russischen Hintergrund der bisher größten Cyberattacke auf den Deutschen Bundestag haben sich verdichtet. Es gebe verstärkt Hinweise, die auf Russland als Ursprungsland des Angriffes hinwiesen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Berlin aus mehreren Quellen. Es gebe aber noch keine Gewissheit in dieser Frage.

  Demnach ist unter anderem noch unklar, ob es sich bei dem Angreifer um einen russischen Geheimdienst oder eine andere russische Organisation handelt. In Russland gibt es enge Verbindungen zwischen den Geheimdiensten und der Organisierten Kriminalität.

  Die Sicherheitsbehörden arbeiten demnach mit mehreren Theorien, um die Attacke aufzuklären. "Spiegel Online" hatte berichtet, Experten lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass der russische Auslandsnachrichtendienst SWR hinter der Spähaktion steckt.