De Maiziere betonte die Bedeutung der Geheimdienst-Kooperation mit den USA: "Niemand sollte diese zentrale Zusammenarbeit infrage stellen." Keine nationale Sicherheitsbehörde sei den Bedrohungen alleine gewachsen. Die USA seien "keine Gegner, sondern enge Partner".

Zuvor widersprach Kanzleramts-Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche BND-Angaben über eine frühzeitige Information zu problematischen US-Spionagezielen in Europa. Der damalige BND-Präsidenten Ernst Uhrlau hatte gesagt, er habe wohl bereits 2006 von problematischen NSA-Zielen wie dem Rüstungskonzern EADS erfahren und den zuständigen Abteilungsleiter im Kanzleramt mündlich unterrichtet. Dieser war Fritsche. "Das schließe ich aus", sagte Fritsche nun. Dem BND machte er Vorwürfe: "Ich gehe einmal davon aus, dass der Dienst schon frühzeitig und schon zu Beginn des Jahres 2005 hätte berichten müssen."

Mit den Stimmen der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD beschloss der NSA-Ausschuss gemäß einem Vorschlag des Kanzleramts die Einsetzung einer Vertrauensperson zur Einsichtnahme in die Selektoren-Liste. Nach der Sommerpause solle diese Vertrauensperson - ein hochkarätiger Jurist - Ergebnisse der Prüfung öffentlich vorlegen, sagte SPD-Obmann Christian Flisek. Die Linke und Grüne Opposition bekräftigten ihre Absicht, vor dem Bundesverfassungsgericht auf direkte Einsicht der Abgeordneten in die Liste zu klagen. Sie betrachten das von den Regierungsfraktionen angestrebte Verfahren als verfassungswidrig und verweigern eine Beteiligung. Der Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele sprach von einer "dunklen Stunde für das Parlament". Die Linken-Abgeordnete Martina Renner sah einen Versuch des Kanzleramts, "diesen Ausschuss aus dem Hintergrund zu orchestrieren".

De Maiziere kritisierte sehr wohl das Ausmaß der Spionageaktivitäten des US-Geheimdiensts NSA. Geheimdienste müssten bei ihrer Arbeit "Maß und Mitte" respektieren, sagte er. Er sehe "berechtigte Zweifel", ob sich die NSA an die gebotenen Grenzen gehalten habe. Die Aufsicht über die Geheimdienste habe er nach seinem Amtsantritt im Kanzleramt 2005 als schwierig empfunden, berichtete de Maiziere. Es sei nicht gewährleistet gewesen, dass Geheimdienste das Kanzleramt als Aufsichtsbehörde grundsätzlich über Probleme unterrichteten. Er habe den Eindruck gehabt, dass das Kanzleramt vor solchen Informationen "verschont werden sollte". Die Aufsicht über die Geheimdienste halte er für reformbedürftig: "Für die Zukunft wird sich da sicherlich einiges ändern müssen."