"Wir kennen noch nicht alle Opfer", sagte auch BK-Leiter Franz Lang. Bisher sind allein aus Österreich gut 200 Schadensfälle bekannt, pro Fall wurden bis zu 15.000 Euro von gehackten Konten abgesogen. "Es ist wahrscheinlich, dass wir erst im ersten Viertel dieses Falles stehen", meinte Lang: Von rund 17 Terabyte an sichergestellten Daten, das seien 20 bis 40 Millionen Seiten, wurden bisher rund 1,7 Terabyte ausgewertet. Er bescheinigte den Beschuldigten "sehr viel Kreativität und enormes Gewinnstreben".

Lang zeigte sich "überrascht über die Bereitschaft einer relativ großen Anzahl an Personen" in Österreich, sich am Geldwäsche und -verschiebe-System solcher Banden zu beteiligen. Sie lassen sich über Spam-Mails zu "Heimarbeit" für Scheinfirmen anwerben und stellen - gegen Bezahlung - ihr Konto zur Verfügung, über das von fremden Konten abgesogenes Geld transferiert wird. Die Beträge wandern meist über zwei bis drei solcher Stationen, bis sie von weiteren Personen behoben und von höherrangigen Bandenmitgliedern als Geldpaket in Empfang genommen werden, erläuterte Unterköfler. Wobei viele Beteiligte nicht gewusst haben wollen, dass sie etwas Illegales tun; das Gegenteil zu beweisen kann laut Angaben aus Ermittlerkreisen schwierig sein. 55 solcher "Finanzagenten" oder "Money Mules" wurden in Österreich von den "Mozart"-Ermittlern bisher ausgeforscht.