Die sogenannte Selektorenliste liegt derzeit noch unter Verschluss im deutschen Kanzleramt. Sie verzeichnet Ziele, die der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) im Auftrag des US-Dienstes NSA (National Security Agency) ausspähte. Die Liste ist für den Untersuchungsausschuss von Interesse, weil vermutet wird, dass die NSA den BND möglicherweise absprachewidrig zur Ausspähung europäischer Behörden und Unternehmen einspannte.

Ungeachtet der Einsetzung Graulichs will sich der Ausschuss aber nach den Worten Sensburgs einen Einblick in die streng geheime Selektorenliste vorbehalten. "Wenn die Vertrauensperson uns Erkenntnisse bringt, die ausreichend sind, ist das ok", sagte Sensburg. "Ansonsten werden wir darauf bestehen, die Listen einsehen zu können."

Graulich selbst schätzt seine Möglichkeiten, Licht in das Dunkel um die sogenannte Selektorenliste mit Spionagezielen zu bringen, offenbar als gering ein. "Es besteht das Risiko, 40.000 Selektoren zu finden, die in keinem offensichtlichen Zusammenhang stehen", sagte er am Mittwoch gegenüber "Spiegel Online". "Die Prüfung könnte schnell an einen Punkt kommen, an dem wir mehr Daten, mehr Kontextwissen brauchen. Das geht wahrscheinlich nicht ohne die Amerikaner." Er glaube nicht, dass mit der Einsicht in die Selektorenliste die Aufklärung schon erledigt sein werde, fügte der Jurist hinzu.