"Der Markt hätte kein zweites Internetbezahlverfahren gebraucht", findet Hans-Martin Kraus von der Unternehmensberatung Capco. "Aber die Banken brauchten es, um eine Flanke zu schützen und um neue Zukunftspotenziale aufzubauen." Es gehe letztlich um Kundenbindung.

Christian Bruck, Partner bei BearingPoint, sieht es ähnlich: "Aus meiner Sicht ist Paydirekt eine strategische Investition der Banken als Antwort auf diverse andere Anbieter." Es sei ein "Vorteil, dass sich die deutsche Kreditwirtschaft endlich mal zusammengerauft" habe.

"Wir hatten das vielleicht lange nicht richtig auf dem Radar, haben es auch nicht richtig ernst genommen", räumt DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch ein. Aber jetzt seien die deutschen Banken beim Thema moderne Bezahlverfahren "ganz gut unterwegs". Kirsch: "Paydirekt ist für mich eine Blaupause für eine engere Zusammenarbeit der drei Säulen."

Reibungslos freilich war die Zusammenarbeit bei Paydirekt nicht. Während Privatbanken wie Deutsche Bank und Postbank, Commerzbank und Comdirect, HVB sowie die Volks- und Raiffeisenbanken von Anfang an mitmachten, zögerten die Sparkassen lange. Bei einer Branchentagung im September bremste Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon erneut: "Wir legen allergrößten Wert auf Sicherheit und Qualität." Neueste Verschlüsselungstechnologien müssten erprobt werden. "Deshalb raten wir dazu, in diesem Jahr zunächst die bereits fertigen Anwendungen umfangreich mit Mitarbeitern und einzelnen Instituten zu testen."

Unterdessen schafften erste Institute Fakten: Die HVB schaltete Paydirekt Anfang November für alle ihre Kunden frei, am 25. November folgte die Commerzbank. Commerzbank-Paydirekt-Experte Torsten Daenert erklärt: "Das ist für uns der Einstieg in digitales Bezahlen in der Breite - und zwar für alle Kunden."

Die Bundesbank begrüßt die Bestrebungen der Banken. "Uns gefällt an Paydirekt, dass wir ein sicheres und effizientes Zahlverfahren haben für die Verbraucher. Uns gefällt, dass es ein Zahlverfahren der Banken ist", sagt der Zentralbereichsleiter Zahlungsverkehr, Jochen Metzger. "Uns gefällt, dass es keinen externen Dienstleister dazwischen gibt, sondern es direkt vom Girokonto kommt. Und wir haben die Hoffnung, dass Paydirekt Wettbewerb bringt."

Der Handelsverband HDE traut Paydirekt den Durchbruch zu - wenn der Preis auch für den Handel stimme. Und HDE-Experte Ulrich Binnebößel nennt eine weitere Voraussetzung: "Die Anbieter müssen geschlossen hinter dem Verfahren stehen und dies überzeugend nach außen bringen."