Rüge für mhoch3

Erneut kritisiert der PR-Ethik-Rat die in DATUM dargestellte Vorgangsweise der Verwendung von falschen Identitäten in Onlineforen, hinter denen keine realen Personen stehen. Dies ist als planmäßige Täuschung der User zu werten. Bei den Bloggern handelt es sich auch nicht – wie von mhoch3 argumentiert – um "Online-Journalisten", sondern um bezahlte Auftragnehmer der Agentur, die damit in einem Abhängigkeitsverhältnis zu mhoch3 (und in weiterer Folge zu den Kunden der Agentur) stehen. Darüber hinaus deklarieren diese ihr Auftragsverhältnis nicht.

Der PR-Ethik-Rat spricht eine Rüge gegen die Agentur mhoch3 wegen planmäßig verdeckter Manipulation der Öffentlichkeit zum Zweck der Beeinflussung eines Strafverfahrens zu Lasten eines Beschuldigten aus.

"Grundlage für die Rüge bildet der Artikel "Liebesgrüße aus Kasachstan" in der Zeitschrift DATUM 12/2014, der eine sehr detaillierte, lebensnahe Darstellung der Vorgänge bei mhoch3 wiedergibt. Die Gegendarstellung von mhoch3 überzeugt hingegen auch diesmal aus verschiedenen Gründen nicht: Sie ist in sich widersprüchlich, denn das Argument der angeblich freien Meinungsäußerung durch die Blogger greift nicht, da schon aus der Stellungnahme von mhoch3 selbst deutlich wird, dass die Agentur die Identitäten und Postings der Auftragnehmer kannte und auch kontrollierte. Damit war die Erfüllung des Kommunikationsauftrags wohl Voraussetzung für die Beschäftigung als Blogger. Auch sprechen die DATUM zur Verfügung stehenden Unterlagen eine deutliche Sprache (Vertrag mit Kanzlei LANSKY, Besprechungsprotokolle). Besonders hervorzuheben ist im vorliegenden Fall das Ziel der Kampagne, nämlich die planmäßige Unterminierung der Unschuldsvermutung durch bezahlte, getarnte Blogger."

"Eine ebenso scharfe Rüge spricht der PR-Ethik-Rat gegen die Kanzlei LANKSY, GANZGER + partner aus. Auch hier konnte als Grundlage die überzeugende Darstellung im DATUM-Artikel herangezogen werden, die von Dr. Lansky in seiner Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht grundsätzlich bestritten wird. Er will allerdings diesen Auftrag zum Schutz und zur Wahrung des Rufes seiner Mandantschaft (der Witwen der ermordeten Bankmanager) erteilt haben. Schließlich sei man davon ausgegangen, dass mhoch3 eine profilierte Agentur sei und rechtlich korrekt handle. Im Übrigen sei die Abwicklung des Auftrags durch seinen Medienberater Herbert Langsner erfolgt, einen Auftrag für hunderte Postings mit Nicknames habe die Kanzlei nicht erteilt.