Menlo Park/Rio de Janeiro. Aus Ärger über die Weigerung von WhatsApp, mit der brasilianischen Justiz zusammenzuarbeiten, hat ein Gericht eine zweitägige Sperre des Kurznachrichtendienstes im ganzen Land angeordnet. Die Sperre der beliebten App und Facebook-Tochter trat am Donnerstag um Mitternacht Ortszeit in Kraft, es war aber zunächst unklar, ob sich alle Anbieter an die Anordnung hielten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg reagierte empört. Die ungewöhnliche Anordnung hatte ein Gericht in Sao Paulo erlassen. Es begründete den Schritt damit, dass WhatsApp mehrmals dazu aufgefordert sei, bei einer Kriminalermittlung zu kooperieren. Der Nachrichtendienst habe seine Mitarbeit aber verweigert. Zu Details zu dem Kriminalfall wollten sich die brasilianischen Behörden unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Die Sperre soll 48 Stunden und damit bis Samstag um Mitternacht gelten. WhatsApp ist in Brasilien äußerst beliebt und bereitet den teuren Telefondiensten des Landes Kopfzerbrechen. Der US-Dienst wird auch deshalb bevorzugt, weil die Nutzer nicht mit Werbung konfrontiert werden. Die Zahl der Nutzer in Brasilien beträgt laut dem US-Branchendienst Techcrunch 93 Millionen Nutzer. Weltweit hat WhatsApp nach eigenen Angaben rund 900 Millionen Nutzer.

 Zuckerberg sieht"traurigen Tag für Brasilien"

Der Chatdienst gehört zum US-Konzern Facebook. Das Netzwerk hatte ihn im vergangenen Jahr für mehr als 20 Milliarden Dollar (17,9 Milliarden Euro) gekauft. Facebook-Gründer Zuckerberg sprach von einem "traurigen Tag für Brasilien" und forderte das Gericht auf, die Anordnung umgehend wieder aufzuheben.

Zuckerberg sprach von einer "extremen Entscheidung durch einen einzelnen Richter", der damit jeden WhatsApp-Nutzer in Brasilien bestrafe. Er versprach, dass Facebook selbst alles dafür tun werde, damit der Dienst in Brasilien bald wieder zugänglich ist. In der Zwischenzeit sollten die Nutzer zum Messenger-Dienst von Facebook wechseln.

Stattdessen suchten sich offenbar Hunderttausende eine andere Alternative - nämlich den Dienst Telegram. Diesen gibt es seit 2013, er wurde von den russischen Brüdern Pawel und Nikolai Durow in den USA entwickelt und hat seinen Sitz in Berlin. Telegram erklärte am Donnerstag, innerhalb von wenigen Stunden habe es 1,5 Millionen Neuanmeldungen gegeben. Über Twitter rief das Unternehmen zur Geduld auf, sollten nicht alle nötigen Codes sofort kommen. "Alle Mann sind an Deck, um den Ansturm zu bewältigen!"