Cupertino. Das FBI ist auch ohne Hilfe von Apple an die Daten im iPhone des Attentäters von San Bernardino gekommen, der über Wochen eskalierte Streit ist damit vorbei. Auf den ersten Blick haben beide Seiten bekommen, was sie wollten. Apple wird nicht gezwungen, die eigenen Sicherheitsmaßnahmen auszuhebeln, die Ermittler werten jetzt die Informationen aus dem Handy aus.

Doch beide Seiten gehen nicht unbeschädigt aus dem Showdown hervor. So müssen sich die Ermittler die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit gefallen lassen: FBI und Justizministerium hatten schließlich hartnäckig behauptet, Apple müsse zur Kooperation verdonnert werden, weil das der einzige Weg sei, an die Daten zu kommen. Experten hatten diese Haltung von Anfang an in Zweifel gezogen. Nun stehen peinliche Fragen im Raum: Haben die Fahnder nicht genug Ahnung von der Materie? Oder wollten sie die Öffentlichkeit vielleicht sogar bewusst hinters Licht führen, um in einem emotionsgeladenen Terrorismus-Fall einen Präzedenzfall für spätere Ermittlungen zu setzen?

Vorwürfe gegen das FBI

Die Vermutung liege nahe, dass das FBI "entweder die Technologie nicht gut genug versteht oder nicht die Wahrheit sagte, als es erklärte, dass nur Apple das Telefon aufknacken könne", sagte ein Anwalt der Bürgerrechtsorganisation ACLU, Alex Abdo, der "Washington Post".

Aber auch Apple trägt Blessuren in dem Streit davon: Da vorerst unklar ist, wie das FBI nun schließlich an dem Passwortschutz des iPhone vorbeikam, könnten bei Apple-Kunden Zweifel gesät worden sein, wie sicher ihre Geräte in Wirklichkeit sind. Denn eine Möglichkeit ist, dass die Ermittler eine öffentlich noch unbekannte Schwachstelle in Apples Software ausnutzen konnten, die ihnen von einem externen Helfer zugespielt wurde. Ist das der Fall, werden die US-Behörden die Lücke möglicherweise nicht lange für sich behalten können. Das US-Recht schreibt vor, dass Lücken dem Unternehmen gemeldet werden müssen, wenn sie die Sicherheit für viele Nutzer senken.

Säure auf den Chip?

Es kursieren aber auch andere Theorien. Danach musste das FBI in die Hardware eingreifen, um an die Daten zu kommen. Die Spekulationen gingen von dem Einsatz von Säure auf den Chips bis hin zu einer komplexen Methode, bei der der Speicherinhalt herauskopiert wird, damit er nicht wie sonst üblich nach der Eingabe von zehn falschen Passwörtern verlorengeht.