Dieser Weg würde auf einem iPhone 5c wie dem Gerät des Attentäters funktionieren - nicht aber auf den neueren Modellen der 6er-Reihe, betonte der IT-Sicherheitsexperte Jonathan Zdziarski. Denn auf ihnen sind Daten mit Hilfe eines zusätzlichen Sicherheitschips geschützt, der "Secure Enclave", einer Art Daten-Tresor im Handy. FBI-Chef James Comey nahm allerdings den Verfechtern dieser Theorie etwas den Wind aus den Segeln. "Ich habe viel davon gehört. Es funktioniert nicht", sagte er zu der Methode vergangenen Donnerstag.

Nach dem Rückzieher in Kalifornien könnte es für die Ermittler nun schwerer werden, vor Gericht Hilfe von Apple beim Zugriff auf Geräte des Konzerns zu erzwingen. Schließlich überzeugte das FBI eine Richterin davon, dass das unbedingt nötig ist - und kam am Ende doch auch ohne die erzwungene Beihilfe aus. "Es sieht so aus, als habe die Regierung "Wolf" gerufen", sagte die Rechtsprofessorin Victoria Schwartz dem Finanzdienst Bloomberg in Anspielung an das Märchen vom Buben, dem man nach Fehlalarmen nicht mehr glaubte. "Nächstes Mal könnte ein Gericht deren Antrag auf eine ähnliche Anordnung genauer unter die Lupe nehmen."

Apple betonte am Dienstag, man werde auch weiterhin daran arbeiten, die Sicherheit der Produkte des Konzerns zu verbessert, während die Gefahren häufiger und ausgefeilter würden. "Wir haben nie gesagt, dass unsere Software absolut sicher ist", hatte ein Anwalt der Apple-Seite schon vergangene Woche in einer Telefonkonferenz mit US-Medien gesagt, nachdem das FBI den iPhone-Hack ankündigte.

Dutzende Telefone warten auf Entschlüsselung

Ohnehin muss sich Apple auf weitere ähnliche Konflikte mit den Behörden einstellen: Bei den Ermittlern liegen Dutzende Telefone, die sie nicht entsperren können. Und es bleibt abzuwarten, bei wie vielen davon die jetzt benutzte Zugriffs-Methode Erfolg haben könnte.

Dabei ist das Problem nur ein Teil des großen schwelenden Konflikts zwischen der US-Regierung und der Technologiebranche um die harte Verschlüsselung, bei der nur die Nutzer an die Daten kommen. Die Unternehmen verfügen dabei über keinen Schlüssel - und können somit auch keine Informationen an die Behörden liefern. Auch Messenger-Diensten wie Facebooks WhatsApp oder der Internetriese Google setzen dieses Verfahren ein.