Wien. Digitalisierung und Vernetzung werden unser Leben massiv verändern. Trotz der damit verbundenen Vorteile dürfen die möglichen Risiken nicht ausgeblendet werden. Fest steht, dass auch die Verletzlichkeit und die potenziellen Schäden durch Cybercrime, Datenlecks, Schwachstellen und außer Kontrolle geratene Systeme zunehmen. Denn die Grenzen zwischen digitaler und physikalischer Welt verschwimmen immer stärker. Mit welchen Bedrohungsszenarien Staaten und Unternehmen konfrontiert sind und wie sich die Kehrseiten der neuen vernetzten Welt auf die Gesellschaft auswirken, hat sich APA-Science in einem aktuellen Dossier angesehen.

"Cybersicherheit wird schon in naher Zukunft als das Hauptproblem der Internet-Ära erkannt und rückt an die Spitze der Herausforderungen, mit denen die Gesellschaft konfrontiert ist", so die Hypothese von Forschern der Universität von Berkeley (Kalifornien) in ihrer aktuellen Studie "Cybersecurity Futures 2020". Sie sehen sich durch die Digitalisierung eher an fast existenzielle Probleme wie den Klimawandel erinnert, weniger an Belange, die Technologiefirmen managen müssen.

Vom Ärgernis zum fundamentalen Risiko

Digitale Sicherheit könnte für die Menschen von einem Ärgernis zu einem fundamentalen Risiko werden, das verändert wie wir leben, sehen die Experten auch massive psychosoziale Auswirkungen: "Das wird (...) eine immer präsente existenzielle Bedrohung, die einen Schatten auf unser Leben wirft." So könnten Firmen und Regierungen in der Lage sein, das individuelle menschliche Verhalten vorherzusagen "und uns besser zu kennen als wir uns selbst – nicht nur zu wissen, was wir kaufen oder wohin wir gehen."

Manipulierbare Erinnerungen

Erinnerungen seien künftig möglicherweise "speicherbar, durchsuchbar, teilbar – und möglicherweise veränderbar". Eine solche Entwicklung rüttle daran, "was es heißt menschlich zu sein, wie wir miteinander umgehen, was Freiheit und Fairness bedeuten und ultimativ, wie wir ein Gefühl, das wir Sicherheit nennen, beurteilen", so die Forscher.

Noch ist es aber nicht so weit. Zwar nimmt die Vernetzung und damit die Zahl der potenziellen Angriffsziele zu – man denke an Industrie 4.0, Smart Grids, Wearables und das "intelligente" Zuhause. Im Alltag zu spüren ist die tatsächliche Tragweite des digitalen Fortschritts – abseits von Smartphone und Social Media – aber bis dato nicht. An Phishing-Mails hat man sich gewöhnt, die Qualität der Passwörter ist weiter verbesserungswürdig und von Attacken auf Bankensysteme oder politisch motiviertem Cyber-Geplänkel fühlt sich kaum jemand persönlich betroffen.