Neben der Überwachungsebene gehe es auch darum, was US-Unternehmen mit den Daten aus Europa machen. "Das wäre vollkommen frei verhandelbar. Da gibt es keine US-Gesetze, die einen Konflikt generieren würden. Aber selbst da hat sich die EU Kommission nicht durchgesetzt. Google kann mit den privaten Daten machen, was es will." Amerikanische Unternehmen müssten sich auch nach Privacy Shield praktisch an keine Regeln halten, wenn sie am europäischen Markt anbieten. Das sei Wettbewerbsverzerrung. "Aus europäischer Sicht gibt es keinen Grund, warum man zustimmen sollte. Mir wurde gesagt, die USA wollten das so. Da wird zu viel gekuscht."

Schrems übte dabei auch Kritik an den handelnden Personen in der EU-Kommission. Die vormalige EU-Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, hätte den Ball aus seiner Sicht wohl aufgenommen und sich um ein optimales Verhandlungsergebnis bemüht. "Aktuell sieht man die Causa hingegen als ein Problem, dass möglichst schnell vom Tisch soll."

Es sei grundsätzlich wichtig, dass Menschen auf den Staat und die Behörden vertrauen können, wenn es um Datenschutz geht. "Mir geht es auf die Nerven, dass es immer heißt, du bist doch selber schuld, wenn du das Internet nutzt. Wenn ich ins Restaurant essen gehe, darf ich auch darauf vertrauen, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden und ich keine Lebensmittelvergiftung bekomme. Im Digitalbereich tun wir so, als ob das jeder Bürger verstehen und selbst überprüfen muss." Menschen, die sich normal im Internet und in den Sozialen Medien bewegen, sollten davon ausgehen können, dass die Gesetze nicht gebrochen werden.

Max Schrems sprach sich im APA-Gespräch auch für ein zeitgemäßes Informationsfreiheitsgesetz in Österreich aus: "Es ist absurd, dass das weiter auf sich warten lässt." Datenschutzrechtliche Bedenken ortet er keine: "Diese Frage ärgert mich. In 90 Prozent der Fälle, wo man Datenschutz als ein Argument gegen etwas bemüht, geht es nur um Verhinderung." Dabei sehe er keinen Grund zur Sorge.

"Wenn personenbezogene Daten geschwärzt werden und Daten, die der Staatssicherheit dienen, geheim gehalten werden, gibt es keinen logischen Grund, warum Bürger nicht grundsätzlich Einsicht in öffentliche Daten bekommen sollten", sagte Schrems.

Das irische Verfahren mit Facebook nehme momentan viel seiner Zeit in Anspruch. Die Arbeit an seiner Dissertation pausiere deshalb seit vergangenem Sommer. "Die Verfahren sind schon sehr aufwendig", räumte Schrems sein. "90 Prozent der Zeit geht für die Administration verloren." Und er gestand im Gespräch: "Ich bleibe der Causa jetzt nicht treu, weil es mich selber so unglaublich interessiert, sondern weil alle probieren auf Zeit zu spielen. Natürlich haben sie sich gedacht, der tut sich das nie länger als ein halbes Jahr an. Und alleine deswegen will ich das durchspielen, auch wenn es in einem endlosen Ping-Pong ausartet. Die emotionale Freude, den nächsten Ball wieder zurückzuschießen, ist halt überschaubar."