Wiesbaden. Die unendlichen Weiten des Internet bergen auch ihre Schattenseiten. Seit den Anschlägen in Deutschland ist ein Bereich wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: das Darknet.

Das Darknet ("dunkle Netz") kann man sich vereinfacht als eine Art virtuellen Hinterhof des klassischen Internet vorstellen. Im Gegensatz zum WWW, das jeder Person offen steht und einfach über einen Browser zu erreichen ist, mit einer zentralen Architektur, besteht das Darknet aus vielen Einzelrechnern, die sich zu einem eigenen Netzwerken zusammenschließen. Auf diesem Weg entstehen eine Vielzahl exklusiver Kreise, die Anwender nun nicht einfach über die Google-Suche finden können. Auch wenn diese Netzwerke auf unterschiedliche Art arbeiten und funktionieren, ist das große gemeinsame Ziel die Sicherstellung der Anonymität der Anwender. So werden Daten in den Darknets meist verschlüsselt übertragen, und machen so eine gezielte Überwachung schwer.

Eine Plattform für Datenaustausch und Cybercrime

Das sogenannte Darknet spielt nach Angaben des deutschen Bundeskriminalamts als Plattform für Verbrecher eine immer größere Rolle, um sich etwa Falschgeld, Drogen oder Waffen zu besorgen. Daher zog das BKA fünf Marktplätze aus dem Verkehr, wie Behördenchef Holger Münch am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Das Darknet sei ein Schwerpunkt für seine Behörde im Kampf gegen Cyber-Crime. Auf diesem schwer zugänglichen Gebiet des Internets haben übliche Suchmaschinen und Browser keinen Zugriff. Kriminelle nutzen es als Handelsplattform etwa für Drogen, Waffen, Falschgeld und Kinderpornografie oder gehackte Daten.

Infografik: Das ist im Darknet drin | Statista
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Das Darknet ist erneut in die politische Diskussion geraten, weil der Amokläufer von München sich nach Angaben der Ermittler seine Waffe in diesem Teil des Internets besorgt haben soll. Er tötete am Freitag neun Menschen und später sich selbst.

Die durch Cyber-Kriminalität hervorgerufenen Schäden für die Gesellschaft nehmen nach Angaben des BKA immer weiter zu. Insgesamt sei die Gesamtsumme der polizeilich erfassten Schäden im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 40,5 Millionen Euro gestiegen, teilte das BKA in seinem Bundeslagebericht Cybercrime mit. Davon entfalle der Großteil mit 35,9 Millionen Euro auf Computerbetrug. Diese Delikte hätten um 5,6 Prozent zugenommen. Mehr als 45.000 Cyber-Kriminalitätsfälle seien im vergangenen Jahr insgesamt erfasst worden. "Wenn wir nach vorne schauen, sehen wir keine Entspannung", sagte Münch. Der BKA-Chef wies darauf hin, dass es in dem Bereich der Kriminalität eine hohe Dunkelziffer gebe. Die gesamte Dimension lasse sich nur schwer statistisch erfassen.