"Cyber-Crime ist nach wie vor ein wachsendes Phänomen - man könnte auch sagen, fast ein wachsendes Gewerbe, hier und da sogar eine wachsende Industrie", warnte Münch. Die Aufklärungsquote liege zwar bei 32,8 Prozent und sei damit im vergangenen Jahr um 3,4 Prozentpunkte gestiegen. Münch wies allerdings darauf hin, dass viele Straftaten bereits im Versuchsstadium enden würden. Manche Delikte würden zudem gar nicht bemerkt, oder gar nicht zur Anzeige gebracht.

Nische des Internets hat auch helle Seite

Der Attentäter von München hat seine Waffe, mit der er neun Menschen und sich selbst tötete, wohl aus dem Internet bezogen - genau genommen aus dem berüchtigten Darknet. Dieser Bereich des weltweiten Netzes steht nun im Fokus der politischen Debatte. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist das Darknet und wie funktioniert es?

Beim "dunklen Netz" handelt es sich um einen verdeckten, anonymen Bereich des Internets, der nicht ohne weiteres zugänglich ist und auch von Suchmaschinen nicht gefunden wird. Anders als sonst findet der Austausch nicht über zentrale Server statt, auch gehen Informationen nicht von einem Computer zum anderen, sondern werden auf wechselnden Routen über verschiedene Server hin und her gesendet. Es lässt sich so nicht mehr feststellen, welche Daten von wo nach wo verschickt wurden.

Beispiele für ein Darknet sind Freenet, das Invisible Internet Project (I2P) oder The Onion Router (Tor), das als bekanntestes Dunkelnetz gilt. Mit einem herkömmlichen Browser sind diese nicht erreichbar. Erforderlich sind spezielle Tools, wie ein extra Browser für das "Tor-Netzwerk" oder bestimmte Programmmodule. Darknet-Webseiten sind damit auch durch Suchmaschinen nicht zu finden. Im Kern stellt das Darknet also durch technische Verfahren sicher, dass die kommunizierenden Personen nicht erkannt werden können - sie selbst nutzen Pseudonyme. Bezahlt wird mit der digitalen Währung Bitcoin, durch die Geldströme schwer zurückzuverfolgen sind.

Welche Gefahren macht das Darknet so berüchtigt?

Mit seiner Anonymität bietet das dunkle Netz Rahmenbedingungen, die zu kriminellen Aktivitäten genutzt werden können. Verbrechern dient der schwer zugängliche Bereich als anonyme Plattform, auf der Drogen, Waffen, Falschgeld oder illegal erworbene Daten etwa von Kreditkarten gehandelt werden. Die Ermittler sprechen von den "Black Markets". Diese nehmen laut BKA "an Vielfalt und Volumen" zu. Daneben gibt es Foren, in denen etwa pädophile Personen Erfahrungen oder Dateien austauschen. Aber auch Angebote zur Ausführung von Verbrechen finden sich in den geschützten Räumen - etwa von angeblichen Auftragsmördern oder -hackern. Allerdings sei fraglich, ob es sich immer um ernst gemeinte Angebote handele, die am Ende auch ausgeführt würden, sagt Linus Neumann vom Chaos Computer Club (CCC). Außerdem sei der illegale Handel mit Waffen älter als das Internet und außerhalb des Darknets viel verbreiteter.