Berlin. Mit einem Aufruf für Pressefreiheit und Demokratie ist heute in Berlin die elfte Republica gestartet. In der Eröffnungs-Keynote reflektierten JournalistInnen und AktivistInnen aus Ägypten, Polen, Ungarn und der Türkei über ihre Erfahrungen mit eingeschränkter Meinungsfreiheit.

Die polnische Aktivistin Katarzyna Szymielewicz sprach über die immer kleiner werdenden Räume für zivilgesellschaftliches Engagement in Polen und Ramy Raoof erklärte, wie Bürgerrechtsbewegungen in Ägypten auch durch den Einsatz von Technologien immer weiter beschränkt werden. Márton Gergely, ehemals stellvertretender Chefredakteur der ungarischen Tageszeitung "Népszabadság", die aus politischen Gründen eingestellt wurde, stellte die wichtige Rolle unabhängiger Medien dar. Der türkische Journalist Can Dündar berichtete zuletzt von der Terrorismus-Anklage während seiner Zeit als Chefredakteur der größten türkischen Zeitung. Außerdem zeigte er Bilder von der Zelle des in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel.

Fotostrecke 20 Bilder

"Weltweit steht die Presse- und Kommunikationsfreiheit unter Druck. Um darauf aufmerksam zu machen und Solidarität mit BloggerInnen, JournalistInnen und AktivistInnen aus anderen Ländern zu zeigen, stellen wir für dieses Thema und Ihre Anliegen unsere Eröffnungssession zur Verfügung", sagte Markus Beckedahl, Mitgründer der Republica.

Zuvor hatten die GründerInnen der Republica – Andreas Gebhard, Tanja und Johnny Haeusler und Markus Beckedahl – die diesjährige Ausgabe der Gesellschaftskonferenz eröffnet. Zusammen mit Dr. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), und Helge Jürgens, Geschäftsführer des Medienboard Berlin Brandenburg (MBB) gaben sie zudem den Startschuss für die Media Convention Berlin (MCB), einem der wegweisenden Medienkongresse in Europa, der zum vierten Mal in Kooperation mit der Republica stattfindet.

Johnny Haeusler: "Das diesjährige Motto 'Love out Loud!' ist auch ein Aufruf zur digitalen Zivilcourage. Ein Aufruf dazu, denjenigen zur Seite zu stehen, die im Netz Opfer von verbalen Attacken oder Bedrohungen werden. Oft genügt dazu ein unterstützender Tweet oder Kommentar von uns als Einzelnen, denn wenn solche Unterstützung von vielen kommt, übertönt sie den Hass und zeigt den Angegriffenen: Du bist nicht allein."

Und Tanja Haeusler ergänzte: "Die Welt, auch die virtuelle, wollen wir nicht den Arschlöchern überlassen. Fuck yeah! Love out Loud!"

Erstmals nahm auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller an der gemeinsamen Eröffnung teil. Müller hob die besondere Bedeutung der Digitalisierung für Berlin hervor und schloss sich dem Appell für Pressefreiheit an: "Es muss darum gehen, wie wir uns unsere Werte – vor allem auch Presse- und Meinungsfreiheit – erhalten." Viele hätten diese Werte für selbstverständlich gehalten – man müsse jetzt aber erkennen, dass man für sie immer wieder kämpfen und sich engagieren muss.

Auf der elften Republica in Berlin treten mehr als 1100 SprecherInnen aus 65 Ländern auf. Das Themenspektrum reicht dabei von aktueller Politik, Kunst und Netzkultur bis hin zu Fragen um die Zukunft der Arbeit, Mobilität, digitale Bildung oder Gesundheitsversorgung. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsjahr 2016*17 kann zudem auf der Subkonferenz sub:marine erfahren werden, wie moderne Technologien die Meeresforschung durchziehen. Und auf den Bühnen der Media Convention Berlin geht es drei Tage lang um aktuelle Fragen der Medien- und Netzpolitik sowie um Markttrends und Entwicklungen der digitalen Mediengesellschaft.