Berlin. Was gibt es für Spitzensportler Schöneres als bei den Olympischen Spielen anzutreten? Wenn man stolz ins Stadion einzieht und dort den Moment der Unendlichkeit genießt. Wie gerne würde man diese Momente auf sozialen Netzwerken teilen. Ein kleiner Film mit seinen KollegInnen. Eine Twitter-Botschaft an die Welt. Geht aber in vielen Fällen nicht – zumindest nicht ohne Einschränkungen.

Was viele Zuseher nämlich nicht wissen, die großen Sportverbände haben teilweise rigide Regelungen, wie und was Sportler auf sozialen Netzwerken und digitalen Medien sagen und tun dürfen. Möglichst unpolitisch sollte man sein, keine Aufnahmen von Innenbereichen, nicht den IOC und Doping in einem Tweet vermischen und anderes mehr, so zumindest berichten einige Sportler hinter vorgehaltener Hand. Auch Journalisten können sich bei Großveranstaltungen immer seltener frei bewegen und recherchieren. Bild- oder Videoaufnahmen von Sportveranstaltungen sind aufgrund stets neuer Rechteinhaber ebenfalls schwerer möglich, wenn nicht gleich unmöglich, doch gerade diese boomen in den sozialen Netzwerken. Die Frage ist nun, wie man diese Einschränkungen umgehen oder besser gesagt mit ihnen umgehen soll.


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Marcel Hirscher postet neben Trainingseindrücken immer wieder

Bilder von Charity-Veranstaltungen, David Alaba sendet gerne auch

religiöse Botschaften à la "Meine Kraft liegt in Jesus".  - © WZ-Montage
Marcel Hirscher postet neben Trainingseindrücken immer wieder
Bilder von Charity-Veranstaltungen, David Alaba sendet gerne auch
religiöse Botschaften à la "Meine Kraft liegt in Jesus".  - © WZ-Montage

Doping, Korruption und Instrumentalisierung

Auf der Republica in Berlin widmete sich eine Diskussionsrunde nun den Möglichkeiten, die neue Technologien Sportlern, aber auch Sportjournalisten ermöglichen, und wie damit auch die Sportverbände in Zukunft umdenken werden müssen. Digitale Medien und sportpolitische Blogs haben einen immensen Einfluss auf Veränderungen im Spitzensport, denn genau diese können dazu beitragen, den Sportverbänden das Machtmonopol über den Spitzensport zu entreißen. "Neben Bloggern müssen Spitzensportler in der Zukunft digitale Medien intensiver nutzen, um eigene Interessen durchzusetzen. Athleten sind in der heutigen Zeit nicht mehr von den traditionellen Medien abhängig und können so eigenständig über die digitalen Medien ihre Meinung äußern, Interessen vertreten und sich vermarkten", so die Ankündigung im Republica-Programm.

Die weitreichenden Doping- und Korruptionsskandale im vergangenen Jahr haben in Zusammenhang mit den am wirtschaftlichen Erfolg interessierten Verbänden IOC, FIFA und DOSB den Spitzensport erschüttert und nachhaltig geschädigt. Der Spitzensport hat für viele Experten erheblich an gesellschaftlichem Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren und befindet sich zurzeit in seiner wohl größten Sinnkrise. Die Vorwürfe, dass Funktionäre den Spitzensport für eigene Interessen instrumentalisieren und dabei keine Rücksicht auf die Athleten nehmen, standen auch bei der Republica-Diskussion im Mittelpunkt. So seien Spitzensportler gezwungen, sich in intransparenten Verbands- und Förderstrukturen sowie der Monokultur Fußball zu bewegen, lautet der Grundtenor der Diskutanten.

Neue Möglichkeiten durch digitale Medien

Auf dem Podium diskutieren Marthe-Victoria Lorenz von der Crowdfundingplattform fairplaid und Jonathan Sachse, Reporter bei Correct!v über die Entwicklungen rund um Sport und Digitalisierung. Sachse sieht in den digitalen Medien eine große Möglichkeit um Whistleblowing im Sport und einen direkten, aber sicheren Kontakt zwischen Spitzenathlet und Sportjournalist zu ermöglichen. Die Chancen und Potentiale des Sports, mit Hilfe des Netzes und der sozialen Medien etwas Neues zu entwickeln und Missstände publik zu machen, waren nie größer.

Zwar wurden durch weitreichende Digitalisierung bereits Veränderungen in den Berichterstattungen vorangetrieben, jedoch selten im direkten Interesse der Athleten. "Journalisten aber auch Blogger waren es, die mit ihren oft detailreichen Blogs, den Lücken- und Gelegenheitsjournalismus im Sport durch weitreichende Recherchen ersetzten und Veränderungen im Spitzensport herbeiführen beziehungsweise Machenschaften aufdecken", so Sachse. Zudem bündeln und entfachen neue Plattformen wie fairplaid.org, fussballdoping.de oder derballluegtnicht.com die Interessen und Streitkultur im Sport auf neue Art und Weise. Außerdem würden digitale Medien mehr Freiheit und Eigenmarketing ermöglichen und auch hier die aktuellen Grenzen durchbrechen helfen.

Für Lorenz wiederum zeigen viele Verbände keine innovative Eigeninitiative und haben speziell den digitalen Anschluss verpasst. "Über Crowdfunding können sich Spitzensportler aus der finanziellen Abhängigkeit der Verbände lösen", meint Lorenz, die in diesem Finanzierungsmodell nicht nur für Nischen- und Randpsortarten massive Chancen sieht – das erste erfolgreiche Crowdfunding-Projekt bei fairplaid.org war etwa ein Unterwasser-Hockey-Projekt – sondern auch für den Spitzensport.