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Wien. Österreich soll den Wirtschaftsaufschwung für Reformen im Bildungs-, Gesundheits- und Pensionssystem sowie in der öffentlichen Verwaltung nutzen und die Digitalisierung im Land forcieren. Das schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Länderbericht. Auch die weitere Integration von Flüchtlingen sollte weiter vorangetrieben werden.

OECD hebt Österreichs stabile und wohlhabende Wirtschaft hervor

Die OECD hebt in ihrem am Montag veröffentlichten 144-Seiten-Länderbericht die stabile und wohlhabende Wirtschaft Österreichs hervor. Nach vier Jahren mit niedrigen Wachstumsraten zwischen 0,1 und 1 Prozent wuchs die österreichische Wirtschaft im Jahr 2016 real wieder um 1,5 Prozent. Für 2017 prognostizieren die Ökonomen einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,2 bis 2,4 Prozent.

"Österreich befindet sich inmitten eines bemerkenswerten, wirtschaftlichen Aufschwungs, der unterstützt von einer zeitlich gut angesetzten Steuerreform für ein hohes Maß an Wohlbefinden und einen starken sozialen und regionalen Zusammenhalt gesorgt hat", sagte die stellvertretende OECD-Generalsekretärin Mari Kiviniemi am Montag bei der Präsentation des Österreich-Wirtschaftsländerberichts mit Schwerpunkt Digitalisierung in Wien.

Maßnahmen zur Senkung der Schuldenquote werden empfohlen

Im Hinblick auf den aktuellen, zyklischen Wirtschaftsaufschwung sollte die Regierung aber weitere Maßnahmen setzen, um die Schuldenquote (öffentliche Schulden im Verhältnis zum BIP) von zuletzt 82,6 Prozent weiter zu senken. Durch den demografischen Wandel werde sich der Druck auf die öffentlichen Haushalte weiter erhöhen. Die erwartbaren, steigenden Kosten durch die Alterung der Gesellschaft seien in Österreich "sehr hoch". Auf diese Kostensteigerung müsse mit einer "schnellen Erhöhung" des effektiven Pensionsalters reagiert werden, empfiehlt die OECD.

Im Bildungs-, Gesundheits- und Pflegesystem und in der öffentlichen Verwaltung in Österreich gibt es nach Ansicht der OECD einige Ineffizienzen, weil die Finanzierung und Verwaltung "zu fragmentiert" sei und sich über zu viele Bereiche erstrecke. Die OECD-Experten empfehlen eine tiefgehende Analyse der öffentlichen Ausgaben in diesen Bereichen und eine Angleichung der Steuer- und Ausgabenhoheit. Durch weitere Maßnahmen der Regierung - etwa im Bereich Start-ups, Gewerbeordnung, Insolvenzrecht, Besteuerung von Arbeit - sollte das Potenzialwachstum in den nächsten Jahren gestärkt werden. Wie in anderen OECD-Ländern sind in Österreich die langfristigen Trendwachstumsraten seit den 1990er-Jahren rückläufig.