Wider die Falschinformation

Ein weiterer interessanter Aspekt des Berichts ist die Erkenntnis, dass Initiativen die unter dem Begriff "Faktencheck" laufen und die es etwa bei Fernsehsendern gibt oder auch Zeitungen und Online-Medien, die sich der Qualität und der objektiven Berichterstattung verschrieben haben, als Antwort nicht ausreichen. Es reicht nicht aus, wenn man versucht, einfach nur faktische Information nachzuschießen und auf die Falschinformation hinzuweisen. Dies ist lediglich "eine potenzielle Verschwendung von Zeit und Ressourcen, wenn dabei nicht die emotionalen und rituellen Kommunikationselemente ausreichend verstanden werden".

Ein wesentlicher "Erfolgsfaktor" von Falschinformation sind Emotionen. Die Verfasser der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass jene Meldungen dann besonders erfolgreich sind, wenn sie "mit den Emotionen der Leute spielen und Gefühle wie Überlegenheit, Ärger oder Angst hervorrufen". Denn diese Faktoren sorgen dafür, dass Nutzer sozialer Netzwerke Inhalte untereinander verstärkt teilen, um sich mit ihren Online-Gemeinschaften in Form moderner "Stämme" zu verbinden. Öffentliche Likes, Kommentare und Postings schaffen eine Verbundenheit. Eine Gemeinschaft oder auch eine Echo-Kammer und Filterblase, die eigene Meinungen verstärkt und in der Gesamtheit dann zu richtigen Inhalten verklärt.

Wardle und Derakhshan liefern acht wesentliche Punkte im Umgang mit diesen Phänomenen ab: Es muss zu allererst kritisch überdacht werden, welche Definitionen, daher welche Sprache genutzt wird. Die Auswirkungen auf die Demokratie, die Rolle des Fernsehens und die Schwächung von lokalen Medien müssen genauer untersucht und beachtet werden. Diese Betrachtungen müssen zudem bis auf eine Mikro-Ebene gehen und demographische Aspekte beinhalten. Neue Technologien wie Bots könnten in Zukunft verstärkt genutzt werden, um Online-Petitionen und direkte Demokratie zu beeinflussen. Die Rolle von Filterblasen und Echokammern auf demokratische Prozesse und Meinungen ist zu hinterfragen und zu überprüfen. Und zu guter Letzt muss man jene Gruppen gezielter ansprechen, die keine Möglichkeit zum Zugang zu unbeeinflusster Meinung hat und somit nicht zwischen Fakt und Fiktion unterscheiden kann.

Die Schlussfolgerung der Autoren in ihrem Bericht lautet daher: "Wir müssen Gerüchte und Verschwörungen mit ansprechenden und mächtigen Erzählungen bekämpfen, die sich derselben Techniken bedienen wie Desinformation." Es sollte also etwa darum gehen, emotionale Antworten mit starken visuellen Aspekten zu finden und diese mehrfach zu wiederholen. Filterblasen können nicht zum Platzen gebracht werden, wenn man die tägliche Informationsaufnahme der Internetgemeinschaft nur mit gegenläufigen und meist sehr trockenen Nachrichten anreichert. Es gelte daher immer auch die "hidden Agenda", also die versteckten Beweggründe, der Einzelpersonen zu analysieren.