Es hat zigtausende solcher Apps gegeben. Wir reden hier von der Verletzung des Grundrechts auf Privatsphäre, das ist keine Kleinigkeit! Nur gibt es diesmal endlich eine gewaltige Aufregung, vorher haben diese Verstöße gegen den Datenschutz niemanden interessiert. Das war eine Randnotiz.

Was sollen die User denn nun tun?

Sie können wenig bis nichts tun. Denn selbst wenn Sie sich heute aus Facebook abmelden, haben die die Daten ja schon längst. Wer tatsächlich gefordert ist: die nationalen Regierungen. Diese müssen die Gesetze durchsetzen. Denn bislang ist es so, dass wir uns in Europa hinstellen und behaupten, wir haben die besten Datenschutzgesetze der Welt. Das Dumme ist freilich: Wir bringen diese Gesetze nicht zur Durchsetzung. Wovon ich übrigens überhaupt nichts halte, ist, die Verantwortung für den Datenschutz ständig den Userinnen und Usern zuzuschieben. Ich beschäftige mich seit sieben Jahren mit Facebook. Und selbst ich verstehe bis heute nicht ganz genau, was diese Leute in Menlo Park eigentlich mit meinen Daten machen. Wie soll das dann erst ein normaler Nutzer verstehen und dann vielleicht auch noch Entscheidungen treffen? Dazu kommt noch etwas: Selbst wenn Sie selbst gar keinen Facebook-Account haben, scheinen Ihre Daten bei Facebook auf. Denn sobald jemand seine Kontakte bei WhatsApp hochlädt, tauchen dann etwa Telefonnummern von Menschen auf, die gar nicht bei Facebook sind. Aber zurück zum Zuschieben des Schwarzen Peter an die Userinnen und User: Das erscheint mir ungefähr so, als würde ein Lebensmittel-Hersteller nach einem Lebensmittelskandal sagen: "Tja, da sind die Leute jetzt selber schuld, weil sie mein verdorbenes Zeug gegessen haben. Hmm, kann man nix machen." So eine Schwachsinns-Argumentation würde niemand akzeptieren. Aber bei Datenschutz-Debatten ist das okay? Das ist doch ein Witz.

Welche Lehren sind nun aus dem Fall Cambridge Analytica/Facebook und den abgeschöpften 50 Millionen Accounts zu ziehen?

Dass es mittlerweile um nichts weniger als die Demokratie selbst geht. Dass es gefährlich ist, dass jemand aus den vielen Detail-Daten, die es über Bürgerinnen und Bürger gibt, ein so genaues Profil eines Menschen zeichnen kann, dass es möglich ist, diesem Menschen genau jene Botschaft zuzuspielen, die bei ihm oder bei ihr wirkt. Das Gute: Endlich diskutieren wir darüber und es wird den Menschen nun bewusst, was da eigentlich vor sich geht.

Zur Person

Maximilian Schrems

(geb. 1987 in Salzburg) ist ein österreichischer Jurist, Autor und Datenschutzaktivist. Er hat sich seit seiner Klage gegen Facebook im Jahr 2011 der Durchsetzung von Datenschutzrechten verschrieben und ist Vorstandsvorsitzender der Datenschutz-Initiative noyb.