Menlo Park. In der Europäischen Union sind bis zu 2,7 Millionen Menschen vom Datenskandal bei Facebook betroffen. Facebook habe bestätigt, dass ihre persönlichen Daten möglicherweise "in unangemessener Weise" an das Unternehmen Cambridge Analytica weitergeben worden seien, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Freitag. Zuvor hatte die EU-Kommission dem Facebook-Konzern eine zweiwöchige Frist gesetzt, um einen Fragenkatalog zu dem Datenskandal zu beantworten. Die Antworten würden nun geprüft, aber es zeichne sich bereits ab, dass weitere Gespräche mit Facebook nötig seien, sagte der Sprecher.

Justizkommissarin Vera Jourova werde mit Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg telefonieren, kündigte er an. Außerdem will die EU strengere Vorschriften zum Schutz persönlicher Daten in sozialen Netzwerken erlassen. Konzernen könnten dann bei Verstößen empfindliche Geldbußen drohen.

Weltweit bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzer betroffen

Der Internetkonzern steht durch den Skandal um die mutmaßliche Abschöpfung der Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern weltweit durch die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica unter massivem Druck. Cambridge Analytica hatte die Nutzerdaten mittels einer App mit einem Persönlichkeitstest abgefischt.

Durch die App erlangte die Firma auch Zugriff auf die Daten von Facebook-"Freunden" der Testteilnehmer. Es besteht der Verdacht, dass diese Daten unter anderem zur Wählerbeeinflussung bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 benutzt wurden.

Problem schon lange bekannt

Am Freitag wurde darüber hinaus bekannt, dass Facebook schon vor zweieinhalb Jahren über den Datenverlust informiert worden war. Cambridge Analytica habe dem Konzern damals versichert, dass er die Daten gelöscht habe, sagte Facebook-Geschäftsführerin Sandberg am Freitag dem öffentlichen US-Radiosender NPR. Facebook habe sich dann nicht weiter um die Angelegenheit gekümmert.

Allerdings könne der Konzern nicht ausschließen, dass es weitere Datenlecks gegeben habe, sagte Sandberg dem US-Fernsehsender NBC.

Mehr Kontrolle bei politischer Werbung

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte am Freitag eine strengere Kontrolle politischer Werbung auf Facebook an. So müsse bei entsprechenden Beiträgen künftig ausgewiesen werden, wer für die Werbung bezahlt.

Diese Schritte könnten Missbrauch nicht gänzlich verhindern, sagte Zuckerberg. Doch es werde schwerer, gefälschte Zugangskonten und Seiten für die Verbreitung von Werbung zu nutzen - "was die Russen während der Wahl 2016 getan haben". Russland sieht sich immer wieder mit Vorwürfen über angebliche Manipulationsversuche im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton kontrontiert. Moskau weist die Anschuldigungen zurück.