Washington/Menlo Park/London. Kurz vor seiner ersten Anhörung im Facebook-Datenskandal im US-Kongress sondiert Firmenchef Mark Zuckerberg die Lage. Er werde sich im Vorfeld mit mehreren Politikern treffen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Abgeordnete der Nachrichtenagentur Reuters. Facebook wollte sich dazu nicht äußern. Am Dienstag soll der Chef des weltgrößten sozialen Netzwerkes vor dem Justiz- und Handelsausschuss im US-Senat aussagen und einen Tag später dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses Rede und Antwort stehen. Die Anhörungen sollen dazu dienen, mehr Licht in die Rolle Facebooks in der Affäre zu bringen.

Firmenangaben zufolge könnten persönliche Informationen von bis zu 87 Millionen Nutzern an die Politikberatungsfirma Cambridge Analytica zweckwidrig weitergegeben worden sein, um den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump vor zwei Jahren zu unterstützen. Mit möglicherweise fast 71 Millionen Nutzern kommt der Großteil der Betroffenen aus den USA. In Deutschland könnten bis zu 310.000 Nutzer Opfer von Datenmissbrauch geworden sein. Ab Montag wollte Facebook alle Nutzer, deren Informationen abgegriffen wurden, über ihren zentralen News Feed in Kenntnis setzen. Dort sollte ein entsprechender Hinweis angezeigt werden. Darüber hinaus hat das Unternehmen aus Menlo Park versprochen, künftig für mehr Transparenz zu sorgen und den Datenschutz seiner mehr als zwei Milliarden Nutzer zu verbessern.

Seit Bekanntwerden des Skandals vor gut drei Wochen steht das weltgrößte soziale Netzwerk unter Beschuss. Unter anderen ermitteln die US-Verbraucherschutzbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte von 37 US-Bundesstaaten in dem Fall. In Deutschland hat die Hamburger Datenschutzbehörde eine Untersuchung der Datenverarbeitungsprozesse bei Facebook eingeleitet. Bis Montag sollte der US-Konzern Antworten auf einen entsprechenden Fragenkatalog einreichen. Auf europäischer Ebene wollten sich am Dienstag die Datenschutzbeauftragten aus den EU-Staaten mit dem Thema befassen.