Ein mit dem Zustandekommen des Gesetzes vertrauter Experte aus dem Universitätsbereich warnt davor, dass "viel zu wenig Hürden für massiven Missbrauch" eingebaut wurden. Namentlich genannt werden will er nicht, denn offiziell haben die Universitäten - wie auch die Pharma-Branche - die Erleichterung ihres Datenzuganges begrüßt. "Es war ein Wunschkonzert der Uni-Vertreter und Lobbygruppen", sagt er gegenüber der APA. Er geht davon aus, dass die Ent-Anonymisierung der persönlichen Daten möglich sein wird, sobald eine hinreichend große Datenmenge verfügbar ist.

Als "äußerst gelungen" lobt dagegen die Universität Wien den Gesetzesentwurf. Zustimmung kam in der Begutachtung u.a. auch von der Med Uni-Wien und der TU Graz. Der Fachverband der Chemischen Industrie in der Wirtschaftskammer meint, dass die Öffnung der Daten "für ein wettbewerbsfähiges Forschungsumfeld in Österreich sorgen" werde. Andernfalls drohe ein Standortnachteil. Explizit begrüßt der Fachverband, dass auch Firmen (und nicht nur gemeinnützige oder universitäre Forscher) als "wissenschaftliche Einrichtung" mit privilegiertem Datenzugang gelten.

Unterstützt wurde die Kritik der Datenschutzbehörde im Begutachtungsverfahren dagegen von der Arbeiterkammer. Sie warnte, dass das Gesetz auch rein kommerzielle Aktivitäten ermöglichen würde und bezeichnete ein unbeschränktes Zugriffsrecht auf alle behördlichen Register als "unverhältnismäßig". Die Arbeiterkammer forderte daher "Rechtsschutzgarantien" für die Geheimhaltungsinteressen der Betroffenen - also etwa die Genehmigung der Zugriffe durch die Datenschutzbehörde.