Oslo. Der Friedensnobelpreis ist der berühmteste seiner Art auf der ganzen Welt. 2014 ging er an Kämpfer für Kinderrechte: Die erst 17-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan und den Inder Kailash Satyarthi. An diesem Mittwoch nehmen sie die Auszeichnung in Norwegens Hauptstadt Oslo entgegen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Preis, der Jury und den Geehrten:

Wer wählt den Friedensnobelpreisträger aus - und wie?

Über den Friedensnobelpreisträger entscheidet ein Komitee aus fünf Mitgliedern, die vom norwegischen Parlament für je sechs Jahre bestimmt werden. Es spiegelt in der Regel die Machtverhältnisse der Parteien im "Storting" wider. Immer bis zum 1. Februar nimmt die Jury Nominierungen für Preisträger entgegen. Kandidaten vorschlagen dürfen neben dem Komitee selbst etwa Regierungsvertreter, Friedensforscher, Universitätsprofessoren und ehemalige Preisträger. Dann bereitet das Komitee eine Shortlist vor. Im Oktober trifft es eine Entscheidung.

Warum wird die Auszeichnung als einziger Nobelpreis in Oslo vergeben?

Das hat der Schwede Alfred Nobel in seinem Testament, das die Grundlage für alle Nobelpreise bildet, so festgelegt. Der Preisstifter und Dynamit-Erfinder hat aber keine Erklärung dafür hinterlassen, weshalb der Preis in Norwegen vergeben werden sollte, während die anderen Nobelpreise in Stockholm verliehen werden.

Es gibt verschiedene Theorien. Erstens verfasste Nobel seinen Willen im Schwedisch-Norwegischen Club in Paris. Zweitens befand sich Norwegen zu dieser Zeit in einer Union mit Schweden. In den 1890ern war das norwegische Parlament zudem stark an der friedlichen Lösung internationaler Konflikte interessiert. Und Nobel interessierte sich für die Literatur des Friedensaktivisten Bjornstjerne Bjornson.

Wie hat sich der Preis seit seiner Stiftung entwickelt?

Er ist immer populärer und internationaler geworden, und dadurch auch glamouröser. Der Direktor des Osloer Nobelinstituts, Geir Lundestad, spricht von einer "Explosion der Nominierungen". Während es 1964 gerade einmal 44 Vorschläge für Preisträger gab, gingen beim Komitee in diesem Jahr 278 Nominierungen ein - ein neuer Rekord. "Das Interesse am Preis war nie höher", meint Lundestad. Während die Auszeichnung früher vor allem eine für Amerikaner und Europäer - und darunter hauptsächlich Männer - war, sind zuletzt mehr Menschen aus anderen Teilen der Welt - und auch mehr Frauen - geehrt worden. Die Definition von Frieden hat das Komitee im Laufe der Zeit ausgedehnt. So wurden zuletzt etwa auch Preise für Umweltengagement vergeben.

Welche Preise waren am umstrittensten?

In der jüngeren Vergangenheit war das die Auszeichnung von Präsident Barack Obama, der 2009 nur neun Monate nach Amtsantritt geehrt wurde. Einige der sehr frühen Preise an andere US-Präsidenten wie Theodore Roosevelt (1906) und Woodrow Wilson (1919) stießen ebenfalls auf ein sehr geteiltes Echo. Die Europäische Union bekam den Preis 2012 ausgerechnet auf dem Tiefpunkt ihrer Popularität. Kritik gab es auch für den Preis an den früheren Palästinenser-Chef Yasser Arafat, Israels Premierminister Yitzhak Rabin und Außenminister Shimon Peres 1994. Einige der umstrittenen Preise, wie der an den Pazifisten Carl von Ossietzky 1936, hätten sich doch als extrem wichtig erwiesen, meint Lundestad: "Hitler war rasend vor Zorn."

Könnte die Jury einen Preis zurücknehmen?

Nein, das geht nicht. Hat es die Auszeichnung einmal verliehen, kann das Nobelkomitee es sich nicht anders überlegen.

Wie einig war sich die Jury über den Preis für Malala?

Das werden wir erst in 50 Jahren erfahren. So lange werden die Namen der Kandidaten und andere Informationen über die Nominierungen unter Verschluss gehalten. Die Jury-Mitglieder halten sich sehr streng daran, in der Öffentlichkeit kein Wort darüber zu verlieren. Gedanken gemacht haben wird sich das Komitee aber wohl darüber, ob Yousafzai dem Druck und den Erwartungen des Preises in ihrem jungen Alter standhalten kann - obwohl es offiziell kein Mindestalter gibt.

Wofür haben Malala Yousafzai (17) und Kailash Satyarthi (60) den Preis in diesem Jahr bekommen?

Die beiden Kinderrechtaktivisten haben die Auszeichnung für ihren heldenhaften "Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Menschen und für das Recht aller Kinder auf Bildung" bekommen. Satyarthi habe "großen persönlichen Mut bewiesen, indem er, in der Tradition Gandhis, verschiedene Formen von Protesten und Demonstrationen angeführt hat", schrieb das Nobelkomitee in seiner Begründung. Yousafzai kämpfe trotz ihres jungen Alters schon seit Jahren "für das Recht von Mädchen auf Bildung und hat beispielhaft gezeigt, dass Kinder und junge Menschen selbst dazu beitragen können, ihre eigene Situation zu verbessern. Das hat sie unter den gefährlichsten Umständen getan." Bewusst wählte die Jury einen Inder und eine Pakistanerin gemeinsam als Preisträger aus.