Stockholm. Der Literaturnobelpreis geht heuer an den in Nagasaki geborenen britischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro (62). Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm bekannt.

Die Schwedische Akademie vergab den Nobelpreis an Kazuo Ishiguro, "der in seinen Romanen von großer emotionaler Kraft den Abgrund unter unserem trügerischen Gefühl der Verbundenheit mit der Welt aufdeckt", so die Begründung. Ishiguro wurde am 8. November 1954 in Nagasaki geboren, seine Familie übersiedelte jedoch nach Großbritannien, als er fünf Jahre alt war.

Bereits sein Romandebüt "Damals in Nagasaki" (1982, dt.: 1984) machte ihn auf einen Schlag berühmt. Für "Was vom Tage übrig blieb", sein wohl berühmtestes Buch über einen alternden Butler, bekam er 1989 den Booker-Preis. Die Horrorvision "Alles, was wir geben mussten" über als Organspender herangezogene Klone wurde unter anderem mit Keira Knightley und Sally Hawkins verfilmt. Ishiguros Werke umfasst acht Bücher, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft wurden.

Kazuo Ishiguro wusste noch nichts von seiner Auszeichnung, als sein Name am Donnerstag in Stockholm verkündet wurde. Sie habe ihn zuvor nicht erreicht, sagte Jury-Chefin Sara Danius dem schwedischen Radio. "Ich werde versuchen, ihn jetzt anzurufen."

Danius beschrieb Ishiguro als brillanten Romanautor. Er sei "eine Kreuzung aus Jane Austen und Franz Kafka", ein sehr authentischer Schriftsteller, der seine eigene Ästhetik entwickelt habe.

Heuer höher dotiert

Die Nobelpreise sind nach einer Aufstockung der Dotation heuer mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotiert. Übergeben wird der Preis alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr hatte überraschend der Musiker Bob Dylan den Nobelpreis zuerkannt bekommen.

BREAKING NEWS The 2017 #NobelPrize in Literature is awarded to the English author Kazuo Ishiguro pic.twitter.com/j9kYaeMZH6