Zwei Journalisten werden für ihren Einsatz für die Pressefreiheit mit dem Friedensnobelpreis 2021 geehrt. Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland erhielten die Auszeichnung für ihren mutigen Kampf für die Meinungsfreiheit, teilte das norwegische Nobelpreiskomitee am Freitag in Oslo mit.

"Zugleich stehen sie für alle Journalisten, die sich für dieses Ideal einsetzen in einer Welt, in der Demokratie und Pressefreiheit zunehmend gefährdet sind", sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen. Mit der Ehrung solle die Bedeutung des Schutzes der Meinungs- und Pressefreiheit weltweit unterstrichen werden.

Dmitri Muratow führt die russische "Nowaja Gaseta". 
- © afp / Kolesnikova

Dmitri Muratow führt die russische "Nowaja Gaseta".

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"Ich stehe unter Schock", sagte Ressa in einer ersten Reaktion. Sie ist Geschäftsführerin der Online-Nachrichtenseite "Rappler", die sich für Pressefreiheit auf den Philippinen einsetzt und als Kritikerin von Präsident Rodrigo Duterte bekannt ist. 2020 war sie in einem Verleumdungsprozess zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Journalistin ging aber in Berufung und ist auf Kaution in Freiheit. Ressa, die in den vergangenen Jahren immer wieder vorübergehend verhaftet worden war, wies die Beschuldigungen als politisch motiviert zurück.

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Kritik an den Social-Media-Giganten

Das US-Nachrichtenmagazin "Time" hatte Ressa bereits 2018 zusammen mit anderen Journalisten als "Person des Jahres" geehrt. Am Freitag erklärte sie: "Wenn wir in einer Welt leben, in der Fakten umstritten sind, und in der die weltweit größten Verteiler von Nachrichten die Verbreitung von Wut und Hass priorisieren und diese schneller und weiter verbreiten als Fakten, dann wird Journalismus zu Aktivismus." Ihre Kür würde zeigen, dass "das Nobelpreis-Komitee realisiert hat, dass eine Welt ohne Fakten eine Welt ohne Wahrheit und Vertrauen bedeutet".

Dmitri Muratow ist Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta". Muratow, der schon als Oppositioneller für die liberale Partei Jabloko an Wahlen teilgenommen hatte, solidarisierte sich zuletzt auch mit der Demokratiebewegung in Weißrussland. Er kritisierte in der Vergangenheit zudem öffentlich die Politik des Kreml auf der von Russland 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim.

Die Geldprämie will Muratow für die Entwicklung des unterdrückten Journalismus in seinem Land einsetzen. "Wir werden versuchen, Leuten zu helfen, die jetzt als Agenten eingestuft sind, die jetzt drangsaliert und aus dem Land vertrieben werden", sagte der 59-Jährige dem unabhängigen Portal Meduza.

Sechs Redaktionsmitglieder der "Nowaja Gaseta" sind ermordet worden, das bekannteste Opfer ist Anna Politkowskaja. Nach ihrem Tod 2006 wollte Muratow die Zeitung einstellen, die Redaktion weigerte sich jedoch strikt und so trotzt "Nowaja Gaseta" weiter den Mächtigen.

Mehr Informationen denn je bei Missbrauch freier Presse

"Es ist ironisch, dass wir in der heutigen Welt mehr Presse und mehr Informationen haben, als die Welt je erlebt hat", sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Reiss-Andersen. "Gleichzeitig sehen wir den Missbrauch und die Manipulation der freien Presse und des öffentlichen Diskurses, etwa bei Fake News." Der Nobelpreis werde die Probleme nicht lösen, mit denen Journalisten und die Meinungsfreiheit konfrontiert seien. "Aber wir hoffen, dass er Licht auf die Bedeutung der Arbeit von Journalisten wirft, und auch darauf, wie gefährlich es ist, die Meinungsfreiheit auszuüben – nicht nur an Orten, die derzeit Krieg und Konflikt erleben, sondern wirklich überall auf der Welt."

Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßte die Auszeichnung für Ressa und Muratow und warnte zugleich vor Gefahren für den Berufsstand. "Der Journalismus ist angeschlagen, weil die Demokratien es auch sind", sagte Christophe Deloire, Generalsekretär der Organisation. Das Büro der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte gratulierte am Freitag allen Journalisten.

Verliehen wird der Friedensnobelpreis traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel. Die Auszeichnung wird als einziger Nobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo verliehen. (apa, reu, dpa)