Spiegel Hollywoods

Für viele ist die Zusammensetzung der Academy jedoch lediglich "ein Spiegel der Jobpolitik in Hollywood". Phil Alden Robinson, einer der Academy-Vorstände, sieht zwar Nachholbedarf - aber "wenn die Branche als Ganzes ihre Sache nicht gut macht und alle Ebenen öffnet, ist es sehr schwierig für uns, unsere Mitgliedschaft breiter zu fächern", so Robinson zur "L.A. Times". Tatsächlich würden Studien in einzelnen Fachbereichen Hollywoods zeigen, dass sich die mangelnde Diversität der Academy mit jener innerhalb der Branche deckt. So machen Frauen im Drehbuch-Bereich der Academy 19 Prozent aus, während laut des US-Drehbuchverbands (Writers Guild of America) im Jahr 2009 Autorinnen für 17 Prozent der produzierten Filme verantwortlich zeichneten.

Gerade deshalb müsse die Academy ihren Einfluss für eine Gegenrichtung einsetzen, betonen Kritiker: Durch ihre Entscheidungen bezüglich Mitgliedschaften und Oscar-Nominierungen würde sie stattdessen den Mangel an Vielfalt auf der Kinoleinwand und bei Produzentenentscheidungen nur verstärken. Laut Oscarpreisträger Denzel Washington solle die Academy nicht die Branche, sondern die Vielfalt der USA widerspiegeln. "Wenn 12 Prozent des Landes Schwarze ausmachen, macht das die Academy zu zwölf Prozent schwarz", so Washington. "Ist die Nation zu 15 Prozent lateinamerikanischer Herkunft, macht das die Academy zu 15 Prozent lateinamerikanisch. Wieso nicht?" Der US-Schauspieler gehört zu jenen Afroamerikanern, die gerade mal vier Prozent der Oscar-Gewinner der vergangenen 83 Jahre ausmachen.

Gegründet 1927

Die Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences wurde 1927 gegründet und ist von damals 36 einflussreichen Persönlichkeiten der Filmbranche auf mittlerweile mehr als 6.000 Mitglieder in 15 Teilbereichen von Schauspielern über Regisseure und Produzenten angewachsen. Die Kriterien für eine Einladung sind je nach Bereich unterschiedlich, Mindestvoraussetzung ist aber entweder eine Oscar-Nominierung oder eine Empfehlung von zwei Mitgliedern eines Academy-Fachbereichs bzw. des Mitglieder-Komitees. Anschließend muss eine Mehrheit der Mitglieder für die Aufnahme stimmen.

Erst seit 2004 veröffentlicht die Academy die Eingeladenen, wobei nie verlautbart wird, wer die Ehre annimmt und wer sie ausschlägt. Unter ihnen ist etwa der österreichische Oscarpreisträger Christoph Waltz - bis heute nicht vertreten sind laut "L.A. Times" hingegen Regiegrößen wie Woody Allen oder "Star Wars"-Mastermind George Lucas, die beide abgelehnt haben. Wer einmal aufgenommen wird, bleibt Mitglied bis ans Lebensende. Hunderte der Stimmberechtigten waren demnach bereits seit Jahrzehnten nicht mehr in Filmen zu sehen, andere sind ganz aus der Filmbranche ausgestiegen und stimmen trotzdem noch ab. So zählt die Stimme eines mittlerweile als Nonne lebenden Mitglieds laut Regeln der Academy genauso viel wie jene von Schauspielgröße Julia Roberts.