Und plötzlich war die Welt wieder bunt. Also die Welt des roten Teppichs. Nicht einmal Ashley Judd, die erste prominente Schauspielerin, die von Harvey Weinsteins Missbrauchs-Usancen berichtet hat, trug am Sonntag bei den Oscars ein schwarzes Kleid. Möglicherweise haben die Modeschöpfer, die nicht unwesentlich mit ihren Kollektionsleihgaben an dem Schaulaufen beteiligt sind, nach Golden Globes und anderen Preisverleihungen keine Lust mehr auf die symbolbeladene Uniformierung in Schwarz gehabt.

Es war die 90. Oscar-Verleihung und abgesehen davon, dass sie in einer historischen Umbruchzeit für Hollywood stattgefunden hat, war es eine Preisgala ohne wirklich denkwürdige Momente. Moderator Jimmy Kimmel hielt sich mit den humoristischen Spitzen zurück - vielleicht auch, weil man nicht wollte, dass sich wieder alle schamhaft erinnern müssen, dass einst Moderator Seth MacFarlane Witze über Harvey Weinsteins "Eroberungs"-Mechanismen gemacht hat, über die der ganze Saal gelacht hat - weil jeder Bescheid wusste.

Wenn der Oscar-Gala mit all ihrer überfrachteten Bedeutung eines anzurechnen ist, dann, dass sie zumindest einen Schritt weg von der Vergangenheit in die Zukunft gemacht hat. Das verdankt sie aber vor allem der Gewinnerin des Oscars für die beste Hauptdarstellerin, Frances McDormand. Sie ließ alle nominierten Frauen aufstehen und appellierte an die mächtigen Männer im Saal: "Wir haben alle Projekte, die wir finanziert haben wollen. Reden Sie mit uns drüber, und verwirklichen wir sie!" Guter Plan: Weniger drüber reden, mehr machen. Denn dass bisher von Hollywood mit der Kneifzange angegriffene Themen - Frauen, Schwarze - auch beim Publikum ankommen, sah man bei "Wonder Woman" und man sieht es aktuell beim ersten schwarzen Superheld "Black Panther", der die Filmcharts in den USA seit Wochen anführt.