Kein Oscar für Christian Bale

Malek hatte bereits den Golden Globe gewonnen, allerdings war auch er keineswegs eine sichere Nummer in der Kategorie: Seine mehr imitierende denn interpretierende Darbietung als Freddie Mercury ist von zumindest einem Mitnominierten weit übertroffen worden: Christian Bale ging für die Darstellung des einstigen US-Vizepräsidenten Dick Cheney erstaunlicherweise leer aus.

Beste Nebendarstellerin wurde Regina King ("If Beale Street Could Talk") - und damit gingen drei der vier Schauspielerpreise an Nominierte mit nicht-weißer Hautfarbe. Die Diversität ist also bei den Oscars angekommen - auch das ein subtiles Zeichen, wie die Filmbranche sich langsam, aber nachhaltig zu verändern imstande ist. Da wurde nach Jahren der Ignoranz farbiger Schauspieler bei den Oscars etwas verstanden: Nicht zahllose Appelle für Änderungen bringen ebendiese, sondern ganz banal: ihre Umsetzung. Machen statt reden, das kannte man bisher nicht so sehr von der als konservativ geltenden Oscar-Akademie.

Das brachte auch Spike Lee zum Jubeln: Er hat den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch für "BlacKkKlansman" gewonnen - sein erster regulärer Oscar nach einem Ehrenpreis 2016, und doch nur ein Trostpreis: Denn Lee hätte durchaus den Regie-Oscar anstelle des ohnehin reich dekorierten Cuaron verdient gehabt.

Doch Lee ließ seiner Freude dennoch freien Lauf und nutzte seine Rede zu einem flammenden Aufruf für eine Veränderung im Land: "Vor 400 Jahren wurden unsere Vorfahren aus Afrika geraubt und versklavt. Vor der ganzen Welt erweise ich unseren Vorfahren, die dieses Land aufgebaut haben, meine Ehre. Wenn wir mit unseren Vorfahren in Kontakt treten, erfahren wir Liebe, Weisheit und erlangen unsere Menschlichkeit zurück. Die Präsidentschaftswahlen 2020 stehen sehr bald vor der Tür. Lassen Sie uns darauf achten, dass wir diesmal auf der richtigen Seite der Geschichte stehen", sagte Lee in der Hoffnung auf eine Abwahl von Donald Trump. In diesem Moment waren die Oscars dann doch einmal mehr ein lautstarker Protest, wie man es in der Vergangenheit immer wieder erlebte. Auch Javier Bardem, der auf Spanisch für eine offene Gesellschaft warb, wurde politisch, sonst aber blieb die Gala weitgehend brav.

Keine Überraschungen gab es bei der Auszeichnung für den besten Animationsfilm: Dort schlug Sonys "Spider-Man: Into the Spider-Verse" verdient sogar die Pixar-Konkurrenz. Für "Black Panther" - als erster Superhelden-Film in der Kategorie "Bester Film" nominiert - blieben immerhin noch die Preise fürs Kostümdesign und für den besten Musik-Score.