Altmeister James Ivory konnte sich mit 89 Jahren über seinen ersten Oscar freuen. Für sein Coming-of-Age-Drama "Call Me by Your Name" gewann er in der Sparte Bestes adaptiertes Drehbuch und ist damit der bisher der älteste Oscar-Gewinner überhaupt. Und "Coco", das farbenfrohe Abenteuer der Pixar-Studios, holt sich wie erwartet die Krone bei den Animationsfilmen.

#Metoo als Roter Faden in der Oscar-Nacht

Etwas überraschend spielte die in den vergangenen Monaten unter den Stichworten #MeToo und Time's-Up gebündelte Thematisierung von Missbrauch und Diskriminierung von Frauen in Hollywood in der Mehrheit der Dankesreden keine zentrale Rolle. Vor allem McDormand tat sich hier in ihrer gewohnt trockenen Art hervor und eröffnete ihre Rede mit den Worten: "Ich hyperventiliere - wenn ich zusammenbreche richtet mich wieder auf, denn ich habe einige Dinge zu sagen." Sie forderte alle nominierten Frauen im Saal  aufzustehen - es waren wie erwartet eine Handvoll - und forderte die Produzenten auf, weibliches Filmschaffen am besten mit konkreten Terminen in den kommenden Tagen zu finanzieren.

Doch auch wenn viele der sonstigen Stars in ihren Ansprachen das Thema nicht in den Mittelpunkt stellten, zog sich die Frage der Diversität doch als roter Faden durch die Gestaltung des Abends. Bereits in seiner Eröffnungsnummer hatte Moderator Jimmy Kimmel, der zum zweiten Mal in Folge durch die Gala führte, direkt auf die beherrschende Diskussion der jüngsten Zeit angespielt. Weshalb die Oscarstatue heute der respektierteste Mann in Hollywood sei, sei schnell geklärt: "Er hat seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges - und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte."

Appell für mehr Diversität

Auch in weiterer Folge kamen die Themen der Diversität - die auch die Frage der Position von Schwarzen oder Homosexuellen und anderen Minderheiten in der Hollywoodindustrie umfasst - immer wieder zur Sprache. In einem Einspieler plädierten Stars wie die #MeToo-Proponentinnen Mira Sorvino und Greta Gerwig für einen Wechsel, der bereits im Gange sei, während Kollegin Geena Davis an ihren feministischen Erfolgsfilm "Thelma & Louise" aus 1991 erinnerte, nachdem jeder fälschlicherweise gedacht habe, er werde eine ganze Welle ähnlicher Werke nach sich ziehen.

Auf Ebene der Preise blieb der feministische Überraschungserfolg allerdings aus. Weder Solo-Regiedebütantin Greta Gerwig konnte sich als Geheimfavoritin in der Regiekategorie gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen, noch ging Rachel Morrison ("Mudbound"), als erste Kamerafrau überhaupt im Rennen, mit dem Oscar nach Hause. Immerhin konnte mit Jordan Peele erstmals ein Schwarzer den Oscar für das beste Originaldrehbuch ("Get Out") in Empfang nehmen, während beim Auslandsoscar das chilenische Transgenderdrama "A Fantastic Woman" von Sebastian Lelio gekürt wurde.

Bei allem gesellschaftspolitischen Engagement blieb die Oscar-Show aber auch heuer wieder launig. So lobte Kimmel einen Jetski im Wert von 17.999 Euro an denjenigen Preisträger aus, der die kürzeste Dankesrede hielt - wovon Mark Bridges, Kostümdesigner bei "Der seidene Faden" profitierte. Und nach ihrer legendären Panne vom Vorjahr, als Warren Beatty und Faye Dunaway wegen eines falschen Umschlags zunächst mit "La La Land" den falschen Streifen zum Sieger in der Kategorie Bester Film kürten, wurden die beiden Kinoveteranen erneut als Präsentatoren der Sparte eingeladen. "Beim zweiten Mal ist alles besser", so Dunaway.