Ende dieses Jahres und nach nur zwei Jahren läuft die Möglichkeit, abschlagsfrei in Frühpension zu gehen, aus. Davor nützen aber noch tausende Arbeitnehmer diese begünstigte Variante. Bereits im Vorjahr haben 11.063 Personen die Frühpension ohne Abschläge, also ohne Kürzungen ihrer Pension, in Anspruch genommen. Heuer waren bis November 8.204 Männer, die abschlagsfrei vorzeitig den Ruhestand angetreten haben. Diese Daten der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) für Angestellte und Arbeiter, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, bestätigen den Ansturm. Für das Gesamtjahr 2021 wird mit rund 8.900 Fällen gerechnet.

ÖVP und Grüne haben Ende November der begünstigten Frühpension ohne Abschläge gesetzlich einen Riegel vorgeschoben, der nun ab 1. Jänner zum Tragen kommt. Es ist das nächste Kapitel eines Hin und Hers. Anfang 2014 wurden für sogenannte Hacklerfrühpensionen Abschläge eingeführt, im Vorfeld der Nationalratswahl 2019 wurden die Abschläge auf Betreiben der SPÖ mit einer Gesetzesänderung gestrichen.

Bei der Hacklerregelung konnten Arbeitnehmer, aber auch Gewerbetreibende und Bauern, mit 62 Jahren ohne dauerhafte Kürzung ihrer Leistung in Frühpension gehen. Bei der Schwerarbeiterpension, bei der jemand vor dem Pensionsantritt eine bestimmte Anzahl von Jahren in einem besonders belastenden Beruf gearbeitet haben muss, gab es 2020 und 2021 ebenfalls Abschlagsfreiheit.

Ein Viertel der Neuzugänge ohne Abschläge

Die Daten der PVA und der Vergleich zu früheren Jahren zeigen den Boom 2020 und 2021, den die günstigere Regelung ausgelöst hat. Den 11.063 Fällen einer Frühpension ohne Abschläge im Jahr 2020 für Langzeitversicherte ("Hacklerregelung") und Schwerarbeiter standen 2019 weniger, nämlich 8.373 Personen, mit einer Hacklerregelung - damals noch mit Abschlägen - gegenüber. Im Jahr 2018 waren es 9.828, ebenfalls mit einer dauerhaften Pensionskürzung.

Von den 8.204 Männern, die heuer von Jänner bis November ohne Abschläge in die Frühpension gegangen sind, entfielen 86 Prozent auf die Hacklerregelung für Langzeitversicherte mit 45 Arbeitsjahren, 14 Prozent auf Schwerarbeiterpensionen, wie die Statistik der Pensionsversicherungsanstalt zeigt, die lediglich Arbeitnehmer umfasst. Damit entfällt rund ein Viertel der Pensionsneuzugänge im heurigen Jahr auf eine abschlagsfreie Variante.

Bei Frauen hat die Hacklerregelung Seltenheitswert, nur zwei Fälle wurden heuer verzeichnet. Der Grund dafür ist, dass Frauen die Möglichkeit haben, noch bis 2024 ab 60 Jahren regulär in Pension zu gehen. Eine Hintertür bleibt offen: Wer die Voraussetzungen mit 31. Dezember 2021 bereits erfüllt, aber noch nicht in Pension geht, kann das auch später noch abschlagsfrei tun. Die PVA schätzt, dass dadurch 4.000 bis 6.000 Personen nachträglich dazukommen. Der PVA erspart das eine gewisse Zeit die Auszahlung der Pension, für Betroffene bringt die längere Arbeitszeit im Regelfall eine höhere Pension.

Ab 1. Jänner 2022 gilt dann der sogenannte Frühstarterbonus, der für Beitragszeiten vor dem 20. Lebensjahr angerechnet wird. Profitieren werden davon in erster Linie Lehrlinge. Die Kosten für die gesamte Pensionsversicherung werden dabei 2022 auf rund 20 Millionen Euro geschätzt, danach sollen sie jeweils pro Jahr um 40 Millionen Euro steigen.