Am 3. August ist heuer Equal-Pension-Day. Das ist der Tag an dem Männern im Durchschnitt bereits die Pension ausbezahlt wurde, die Frauen in einem vollen Jahr erhalten. Die "Wiener Zeitung" berichtete bereits, dass sich der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Alterspensionen von Frauen mit heuer 1.239 Euro und Männern mit 2.103 Euro in Österreich von Jahr zu Jahr nur minimal verringert. Geht es weiter in dieser Geschwindigkeit, dauert es 75 Jahre, bis es hierzulande keinen Gender-Pension-Gap mehr gibt.

In Vorarlberg wird es noch länger dauern bis Frauen die gleiche Pension wie Männer erhalten - und zwar 159 Jahre, wenn es in der gleichen Geschwindigkeit wie in der Vergangeneheit weiter geht.

Schlusslicht Vorarlberg mit Equal-Pension-Day am 9. Juli

Denn im westlichsten Bundesland hat sich der Unterschied zwischen Frauen und Männerpensionen von 48,1 Prozent auf heuer 47,8 Prozent verringert. Der Equal-Pension-Day in Vorarlberg war wegen dieses großen Unterschieds auch heuer bereits am 9. Juli.  Mehr noch: Während die Pensionen von Männern in Vorarlberg mit 2.070 Euro monatlich kaum unter dem österreichischen Durchschnitt landen, fallen jene von Frauen mit 1.080 Euro noch deutlich geringer aus als mit 1.239 Euro im österreichweiten Durchschnitt. 

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Anders in Wien, hier erhalten Frauen mit einer Pension von monatlich 1.423 Euro im Durchschnitt um 30,8 Prozent weniger als Männer mit 2.055 Euro. Der Equal-Pension-Day in Wien, als der Tag an dem die Männer bereits die durchschnittliche Frauenpension erhalten haben, wird demzufolge erst am 9. September sein. 

Konservative Aufteilung der Arbeit in Familien als mögliche Ursache

Franz Beck, Referent der Sozialrechtsabteilung der Arbeiterkammer Vorarlberg, hat im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Vermutung, dass da verschiedene Sachen zusammen kommen. "Die Grundhaltung in Vorarlberg ist sehr, sehr konservativ. Dem ist wahrscheinlich geschuldet, dass es zwar Kindergärten gibt, Frauen aber in Vorarlberg insbesondere in den Dörfern vermutlich nicht so häufig einen Platz finden, der sich mit einer Vollzeit-Arbeit verbinden lässt." 

Die Kinderbetreuungsstatistik zeigt, dass Vorarlberg heute mit 30,9 Prozent der Null- bis Zweijährigen und 96,3 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen in Kinderbetreuung über dem Österreich-Durchschnitt liegt, da sind 29,1 Prozent der jüngeren und 94,1  Prozent bei den älteren Kindern in professioneller Betreuung. Noch vor zehn Jahren aber gab es in Vorarlberg gerade mal 17,3 Prozent Kinder im Alter bis zu zwei Jahren in Kinderbetreuung. Frauen, die heute bereits in Pension sind, fanden vor vielen Jahren eine noch schlechtere Situation vor. 

Um den Unterschied künftiger Pensionen aber zu verringern, müsste sich die Kinderbetreuungssituation nochmals verbessern. Beim Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf steht Vorarlberg heute zwar bei den Krippenplätzen mit 63,9 Prozent besser als im österreichweiten Durchschnitt da. Bei den Kindergartenplätzen erlauben nach wie mit 44,8 Prozent nicht einmal die Hälfte eine Vollzeitarbeit.

Vermeintlicher Luxus mit Spätfolgen bei Frauen von Grenzgängern

Den Hauptgrund für den großen Vorarlberger Gender-Pension-Gap vermutet Beck allerdings darin, dass Vorarlberg Männer "besonders lukrative Beschäftigungsmöglichkeiten im nahen Ausland vorfinden": "Als Grenzgänger verdienen die Männer oft so gut, dass Frauen nicht arbeiten gehen müssen", sagt Beck. Das sei häufig bei Facharbeitern so, sobald sie Familienväter werden.

Dieses Mehr bei den Männer-Pensionen komme oft auch direkt aus der Schweiz oder Liechtenstein aufs heimische Konto, es ist deshalb in der österreichischen Pensionsstatistik nicht sichtbar. "Dieser vermeintliche Luxus ist einer mit Spätfolgen, weil den Frauen die Rechnung erst später in Form der Pensionshöhe präsentiert wird." Dann rächt sich, dass Frauen lange bei den Kindern zu Hause geblieben sind, "oder immer noch in Teilzeit arbeiten, obwohl die Kinder schon längst einen Bart haben, weil sie schon über 30 sind", sagt Beck.