Mit einer Änderung des Dienstrechts, die kommende Woche im Nationalrat beschlossen wird, möchte Vizekanzler und Beamtenminister Werner Kogler (Grüne) den Start im Staatsdienst bei Polizei, Richtern, Militär und im Verwaltungsdienst mit höheren Einstiegsgehältern attraktiver gestalten. Schon jetzt wird bei der Exekutive dringend Nachwuchs gesucht. In den kommenden Jahren wird der Personalbedarf im öffentlichen Dienst aber noch steigen. Grund dafür ist die Pensionierungswelle. Rund 45 Prozent der Bundesbediensteten werden in den kommenden 13 Jahren in den Ruhestand treten, wie im neuen Personaljahrbuch 2022 aufgezeigt wird. Das bedeutet, dass in dieser Zeit rund 60.000 Pensionierungen bevorstehen.

Verschärft wird der Trend dadurch, dass auch im Bundesdienst manche lediglich Teilzeit arbeiten wollen, beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer, womit noch mehr Nachwuchs benötigt wird. Die hohe Zahl von Pensionierungen hat es auch bereits in den vergangenen Jahren gegeben. Allein im Vorjahr haben sich gut 4.000 Beschäftigte im Bundesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Für 2025 wird der Höhepunkt der Pensionierungswelle erwartet. Danach hält der Trend allerdings, wie aus dem Personaljahrbuch hervorgeht, noch mehr als ein Jahrzehnt an.

Die Altersstruktur im Bundesdienst hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert deutlich verändert. Im vergangenen Jahr wurden knapp 136.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Staatsdienst gezählt. Mit Ländern und Gemeinden kommt man für das Vorjahr auf 361.541 Beschäftigte im öffentlichen Dienst - vom Verwaltungsdienst über die Landesbeamten bis zu den Gemeindesekretären. Zu den Relationen: Allein in den ausgegliederten Krankenanstalten der Bundesländer sind 49.184 Personen beschäftigt. Die sogenannten Landeslehrer, das sind die Lehrkräfte an Volks-, Mittel- und Sonderschulen umfassten insgesamt 68.151 Personen. Damit bildet diese Gruppe in ganz Österreich den größten Teil der öffentlich Bediensteten.

Im Bundesdienst ist das durchschnittliche Alter der knapp 136.000 Bediensteten im vergangenen Jahr auf 45,3 Jahre gestiegen. Im Jahr 1995 waren die meisten Arbeitskräfte im Staatsdienst 32 bis 34 Jahre alt. Mittlerweile bilden die Bediensteten im Alter zwischen 57 und 59 Jahren die größte Gruppe. Das hat wegen der steigenden Gehälter mit längerer Berufsdauer auf Auswirkungen in Form höherer Kosten.

Nur 28 Prozent sind
jünger als 35 Jahre

Umgekehrt ist der Anteil der Nachwuchskräfte im Bundesdienst (unter 35 Jahre) mit knapp 28 Prozent relativ gering. Denn die Verteilung der österreichischen Erwerbsbevölkerung zeigt, dass diesem Alterssegment mehr als ein Drittel aller Erwerbstätigen angehört, wie im Personaljahrbuch angeführt wird. Gleichzeitig ist der Anteil der 50-jährigen und älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit 44,1 Prozent deutlich höher als bei allen unselbstständig Erwerbstätigen mit knapp 30 Prozent.

Aber auch die intensiv laufende Suche nach neuem Personal von der Exekutive bis zum Schulbereich führt nicht mehr zu einer Verjüngung wie noch vor einem guten Vierteljahrhundert. Der Grund dafür ist, dass auch bei Neuaufnahmen eine höhere Qualifikation verlangt wird. Das bedeutet längere Ausbildung. Auch Einsteiger im öffentlichen Dienst sind "tendenziell älter", heißt es.

Nach einzelnen Gruppen aufgeteilt ist der Altersdurchschnitt bei den Lehrpersonen an den Hochschulen am höchsten. Dort betrug das Durchschnittsalter im Vorjahr 50,1 Jahre. Im Verwaltungsdienst waren es immerhin 47,5 Jahre. Im Vergleich dazu ist der Altersdurchschnitt in der Exekutive am niedrigsten. Bei den rund 32.000 Polizistinnen und Polizisten sind es 41,3 Jahre. Das liegt einerseits daran, dass in den vergangenen Jahren für die Polizei kein Aufnahmestopp gegolten hat. Außerdem können langgediente Polizisten wegen der erschwerten beruflichen Bedingungen mit Nachtdiensten früher in Pension gehen, während sonst im Bundesdienst das Pensionsalter für weibliche und männliche Beamte grundsätzlich bei 65 Jahren liegt.

Gehaltskluft zwischen Frauen und Männern

Eine Entwicklung hat sich im Vorjahr fortgesetzt: Der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern ist im Bundesdienst weiter geschrumpft. Zwar liegen die mittleren Einkommen von Frauen auch im Bundesdienst unter jenen der Männer, aber der Unterschied ist deutlich geringer als in der Privatwirtschaft.

Im Bundesdienst beträgt der um das Beschäftigungsausmaß und die nicht ganzjährige Beschäftigung bereinigte sogenannte Gender-Pay-Gap zwischen Männer und Frauen 8,5 Prozent, "während der Einkommensunterschied bei Betrachtung der Stundenverdienste von Voll- und Teilzeitbeschäftigten in der Privatwirtschaft bei 18,9 ausmacht bzw. bei ganzjährig vollbeschäftigten Frauen und Männern bei 12,7 Prozent liegt", wird im Personaljahrbuch angeführt. Zum Vergleich: Vor einem Jahrzehnt, also 2012, betrug die Gehaltskluft zwischen Frauen und Männern im Bundesdienst noch 13,3 Prozent. 2019 ist er dann auf weniger als zehn Prozent geschrumpft.