Sollte Österreich nun dennoch die Einbeziehung der Sozialversicherung zur Pflegefinanzierung überlegen, müssten zwei Punkte beachtet werden, wie Riedel betonte. Einerseits müsste per Gesetz festgelegt werden, welche konkreten Leistungen der Sozialversicherung übertragen werden. Denn derzeit liegt beim Bund die Kompetenz für Geldleistungen, Sachleistungen bei den Ländern. Andererseits sollten Beiträge dann aber nicht nur Arbeitseinkommen umfassen, sondern auch Einkommen etwa aus Kapitalerträgen.

Zarfls Schlussfolgerungen: Österreich brauche eine breitere Finanzierungsbasis und eine gute Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Das betrifft auch den künftigen Finanzausgleich, der 2021 ausläuft. Denn die IHS-Studie fordert auch, für die Erbringung von Leistungen müsse es künftig österreichweit einheitliche Zielsetzungen geben. Im Vergleich mit den untersuchten europäischen Ländern sind derzeit beim Finanzausgleich die demografische Struktur und sozioökonomische Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt.

Präventive Hausbesuche als zusätzliches Angebot

Speziell unter die Lupe genommen wurde vom IHS auch die Rolle der Prävention, um späteren Kosten für Langzeitpflege vorzubeugen. Besondere Bedeutung kommt demnach präventiven Hausbesuchen bei älteren Personen zu. Dabei werden diese von Gesundheitsfachkräften in ihren Wohnräumen aufgesucht. Dabei werden unter anderem auch gesundheitsfördernde Maßnahmen sowie präventive Aktivitäten zur Unterstützung von körperlichen und geistigen Aktivitäten für Betroffene angeboten. Vorbild dafür sind sogenannte "community nurses" im angelsächsischen Raum und in Skandinavien, wobei allgemeine Pflegekräfte tätig sind. Außerdem sollten diese Kräfte auch Informationen für Angehörige und pflegebedürftige Menschen über weitere Pflegeangebote bieten.

41.000 müssen neu in Pflegeberufe einsteigen

Neben den Problemen um die Finanzierung der Pflege ist Österreich auch mit der Situation konfrontiert, dass der Bedarf an Pflegepersonal in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Die Gesundheit Österreich GmbH hat dafür gleichzeitig mit Zarfl und dem IHS eine weitere Studie über den künftigen Personalbedarf präsentiert. Insgesamt werden bis zum Jahr 2030 für den Pflegebereich zusätzlich 75.700 Personen gebraucht. Derzeit sind in Krankenhäusern sowie in der Pflege und Betreuung rund 127.000 Personen beschäftigt, davon 67.000 in den Spitälern.

Der zusätzliche Bedarf ergibt sich einerseits aus der demografischen Entwicklung mit mehr älteren Menschen über 85 Jahren, weshalb mit einem Zusatzbedarf von 34.200 Personen gerechnet wird. Weil derzeit bereits rund ein Drittel des Pflegepersonals bereits älter als 50 Jahre ist, müssen außerdem weitere 41.500 Personen neu in den Beruf einsteigen, um den Bedarf zu decken. Der jährliche Bedarf wird dabei auf zwischen 3900 und 6700 Pflegekräften geschätzt.

Für Sozialministerin Zarfl geht es dabei nicht nur darum, Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Wichtig sei vor allem auch, diese künftig nach der Ausbildung möglichst lange im Beruf zu halten. Derzeit wechseln viele Pflegekräfte rasch in andere Berufe.