Das Brüderpaar aus Niederösterreich ist heilfroh, dass die Pflegerin aus der Slowakei länger als turnusmäßig vorgesehen in Österreich bleibt, um die pflegebedürftige Mutter in der Bezirksstadt zu betreuen. Es sind viele Personenbetreuerinnen aus der Slowakei und aus Rumänien, die nun zur 24-Stunden-Betreuung länger bleiben, damit die Betreuung trotz der Probleme beim Grenzübertritt wegen der Corona-Krise aufrecht bleibt.

"Es wird in den nächsten Wochen Regelungen brauchen", verlangt Kerstin Marchner, die seit 30 Jahren im Gesundheits- und Krankenpflegebereich tätig ist und seit September 2019 als Leiterin von BestCare24 selbst 24-Stunden-Betreuerinnnen vermittelt, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Eine Lösung für den Engpass bei ausländischen Pflegekräften müsse von der Bundesregierung kommen.

- © M. Hirsch
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In Oberösterreich betreffen die Herausforderungen der 24-Stunden-Pflege rund 500 Personen und damit in etwa ein Zehntel aller Menschen, die rund um die Uhr daheim betreut werden. "Für die wird sich die Situation Ende April zuspitzen", prognostiziert Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer. Die SPÖ-Landesparteichefin beruhigt aber mit dem Hinweis, dass das Land je zur Hälfte mit Ersatzbetreuung und Heimplätzen gerüstet sei. "Das Einfliegen von Pflegerinnen kann nie den Bedarf decken", gibt sie zu bedenken. Die Sozialreferenten der Bundesländer haben sich letztlich geeinigt, mit einer Prämie von 500 Euro aus dem 100-Millionen-Euro-Hilfspaket für die Pflege den Anreiz für Pflegekräfte zum Bleiben zu erhöhen.

Eine Erschwernis kommt dazu. Denn Rumänien verweigert vorerst Pflegerinnen die Ausreise. Hintergrund ist, dass in ihrem Heimatland Krankenhäuser, Ärzte und Spitalspersonal durch die Corona-Erkrankungen massiv belastet werden, weshalb Fachkräfte im Land gehalten werden sollen.

In Österreich bemüht sich Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) mit Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP), Abkommen für Pendler im EU-Ausland auszuhandeln. Statt weiterer Flüge wird sogar versucht, dringend benötigte Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland mit Korridorzügen durch Ungarn nach Österreich zu lotsen. Ein Plan mit einem großen Unsicherheitsfaktor. Es geht bei Pendler-Abkommen nicht nur um Pflegekräfte, sondern auch um Erntehelfer für die Landwirtschaft. Allein im Fall von Rumänien sind es 25.000 Pendler, in Ungarn geht es um 50.000 Beschäftigte, die zur Arbeit nach Österreich pendeln, in der Slowakei um 37.000 Personen. (Details siehe Kasten.)

Für Kerstin Marchner geht es um eine verlässliche Perspektive: "Was wir bevorzugen, wäre eine regelmäßige Koordinierung." Deswegen solle es bei der Einreise für Pflegerinnen Schnelltests geben. "Dann kommt man einem Normalbetrieb näher", betont sie. Gemeint ist damit die regelmäßige Heimreise zu den Familien. Bei den mit Flügen nach Schwechat geholten Pflegerinnen war eine 14-tägige Quarantäne notwendig. Nachdem Betreuerrinnen dann auch daheim 14 Tage in Quarantäne müssten, gäbe es für diese lange Zeit kein Einkommen.

Den Pflegekräften, die in Schwechat nach dem Flug in einem Hotel untergebracht wurden, sind rasch die Reisepässe abgenommen worden. Allerdings definitiv nicht über Anordnung der Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha. Bezirkshauptmann Peter Suchanek teilte der "Wiener Zeitung" mit: "Dass die Bezirkshauptmannschaft Reisepässe abgenommen hat, ist eine Falschmeldung. Nach unserer Recherche dürften die Reisepässe von mehreren Vertretern von Agenturen, die am Flughafen die Pflegekräfte in Empfang genommen haben, eingesammelt und der Rezeption des Hotels zur Ermöglichung des Check-ins übergeben worden sein."

Nachdem die Abnahme der Reisepässe publik geworden ist, wurde offenkundig das Gesundheitsministerium am Wochenende aktiv. Die Pässe wurden wieder ausgehändigt.