Die Pflegekosten pro Pflegegeldbezieher betragen in Wien 22.000 Euro pro Jahr und liegen damit österreichweit am höchsten. "Die Politik redet immer von den immer höher werdenden Pflegekosten, aber nie darüber, wie man Pflegefälle vermeiden kann", sagte Alexander Biach - seines Zeichens Wiener Standortanwalt, stellvertretender Direktor der Wiener Wirtschaftskammer und ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger am Mittwoch im Rahmen einer Buchpräsentation.

Gemeinsam mit dem Sportmediziner Norbert Bachl und der Gesundheitsexpertin Barbara Fisa schlägt Biach deshalb eine Art Mutterkindpass für ältere Mensschen vor, um präventiv gegen die Zunahme der Pflegefälle in Österreich vorzugehen. So könnten etwa künftig in Primärversorgungszentren Vorsorgeuntersuchungen ausgeweitet werden und mit einem "Best Agers-Bonuspass" Anreize - etwa Gutscheine für Supermärkte, Gratis-Impfungen, Smartwatches oder bewegungsunterstützende Konsolenspiele - für eine gesündere Lebensweise gesetzt werden. Angestrebtes Ziel ist ein gesundes Leben ohne die bekannten Risikofaktoren: Bewegungsmangel und Muskelatrophie, Übergewicht, auffällige Fettstoffwechselparameter oder erhöhter Blutzucker und Blutdruck.

In ihrem neu erschienenen Buch "Raus aus der Pflegefalle" (Springer Verlag) nennen die drei Experten skandinavische Länder als Vorbild, die zwar ähnliche Gesundheitsausgaben haben wie Österreich, aber in der Altersgruppe ab 65 mit rund 9 Prozent weniger als die Hälfte an eingeschränkten Personen aufweisen als Österreich mit 22 Prozent.

"Viele ältere Menschen nehmen sich vor, diverse Sportarten zu beginnen, sobald sie in Pension sind. Und wenn es dann so weit ist, bewegen sie sich überhaupt nicht mehr", meinte Fisa. Und genau diese Menschen würden oft erst dann zum Arzt gehen, wenn sie gesundheitliche Beschwerden haben. In Österreich wisse man über den Gesundheitszustand der Kinder dank des Mutterkindpasses Bescheid. Und wenn im Alter dann die ersten Probleme auftauchen, auch wieder. "Aber dazwischen ist nichts - dabei machen Lebensstilfaktoren 40 bis 50 Prozent unserer Gesundheit aus", betonte Fisa. Und hier müsse man präventiv-beratend ansetzen. Immerhin ist laut Biach die Anzahl der Pflegegeldbezieher in Wien von 70.830 Personen im Jahr 2010 auf 87.407 im Jahr 2020 angestiegen - österreichweit von 369.172 auf 462.820.

Bereits heuer würden in Österreich die öffentlichen Ausgaben für den Pflegebereich 5 Milliarden Euro ausmachen, 2030 werde man bei 9 Milliarden sein, 2050 bereits bei 16 Milliarden.

160 Millionen Euro Einsparungen

"Bewegung rechnet sich", ist Biach überzeugt: 25 Prozent der Österreicher seien derzeit bewegungsaktiv - steigere man diesen Wert auf 30 Prozent, würde das schon eine volkswirtschaftliche Ersparnis von 160 Millionen Euro im Jahr bringen.