Der Bund hat im Frühjahr erste Schritte zu einer Pflegereform gesetzt. Darunter ist ein Gehaltsbonus, der zwar für Anfang Dezember in Aussicht gestellt wurde, aber noch in der Luft hängt, und neue Wege in der Ausbildung. Oberösterreichs Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat jetzt mit dem Städte- und Gemeindebund ein 50-Punkte-Paket angekündigt, um Pflegeberufe attraktiver zu machen und damit mehr Personal in den kommenden Jahren zu bekommen. Vor allem soll der Mindestpersonalschlüssel um 3,5 Prozent angehoben werden, die Folge ist, dass zusätzliche Pflegekräfte in Heimen zum Einsatz kommen müssten. Das Problem bleibt aber, genug Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.

Wie alle anderen Bundesländer kämpft Oberösterreich mit Schwierigkeiten, weil nicht ausreichend Pflegekräfte zur Verfügung stehen. In Pflegeheimen mussten daher Pflegebetten frei bleiben, weil die Betreuung mangels Personal nicht sichergestellt werden konnte.

Mit einer 50 Punkte umfassenden Pflegestrategie, die Hattmannsdorfer mit dem Städtebundchef und Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) und Oberösterreichs Gemeindebundpräsident Christian Mader (ÖVP) vorgelegt hat, soll den Personalproblemen begegnet werden. Einer der Kernpunkte ist ein Gehaltsbonus in den kommenden zwei Jahren. Zwei Maßnahmen sollen für eine Entlastung der Beschäftigten sorgen: dazu zählt die Anhebung des Mindestpersonalschlüssels, aber auch eine höhere Einstufung beim Pflegegeld für Menschen, die unter Demenz leiden, was ebenfalls zu einem verstärkten Personaleinsatz führen soll.

Stützpersonal als niederschwelliger Zugang

Der Maßnahmenkatalog sieht weiters vermehrt Unterstützungspersonal für Fachkräfte im Pflegebereich vor. Die Idee dahinter ist, dass mit der Ausbildung zum Stützpersonal im Pflegesektor ein niederschwelligerer Berufseinstieg erfolgt. In der Folge kann dieses Personal dann zu Pflegefachkräften ausgebildet werden. Um die Pflegeausbildung attraktiver zu machen, ist ein monatliches Stipendium von 600 Euro vorgesehen. Dieses soll außerdem dazu beitragen, dass weniger Menschen die Pflegeausbildung abbrechen. Derzeit ist das bei immerhin einem Viertel der in Ausbildung befindlichen Personen der Fall.

Bundesweit versuchten ÖVP und Grüne seit dem Vorjahr die Ausbildung vor allem auch für Quereinsteiger in den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Dafür gibt es auch mehr Geld für das Arbeitsmarktservice (AMS), um nicht zuletzt Mütter, die nach dem Ende der Karenz ins Berufsleben zurückkehren wollen, finanziell mit Stipendien stärker zu unterstützen.

In Österreich gibt es rund 460.000 Personen, die pflegebedürftig sind und ein Pflegegeld erhalten, das in sieben Stufen ausbezahlt wird. Dieses wird wie andere Sozialleistungen nunmehr jährlich automatisch valorisiert, also im Ausmaß der Teuerung angehoben. (ett)